Dr. Ulrich Ott, führender deutscher Meditationsforscher im Gespräch mit der Academie Kloster Eberbach
Shownotes
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Die Stille ist so laut
Zu Gast: Dr. Ulrich Ott, Psychologe und Neurowissenschaftler, Arbeitsgruppe für veränderte Bewusstseinszustände am Bender Institute of Neuroimaging in Gießen
Gastgeber: Sebastian Labonte, mit Lukas Prandzioch und Marcus M. Lübbering, Vorsitzendem und Gründer der Academie Kloster Eberbach
Was Sie in dieser Folge erwartet
Wie misst man etwas, das erst entsteht, wenn man aufhört, etwas zu tun? Ulrich Ott hat eine Antwort gefunden, die auf den ersten Blick absurd klingt: Er legt Menschen, die meditieren, in einen Kernspintomografen und schaut ihrem Gehirn dabei zu. Seit über 25 Jahren tut er das. Man könnte sagen, er misst die Stille.
Angefangen hat es weit weg vom Labor. Als Kind saß er in Frauenstein im Wald, das Licht fiel durch die Blätter, und er fühlte sich, wie er sagt, eins mit dem Ganzen. Später kam ein Philosophiebuch dazu, ein einziger Satz darin — Atman gleich Brahman — und die Behauptung, dass dies keine Glaubensfrage sei, sondern etwas, das man überprüfen könne. Der erste Yogakurs in Wiesbaden endete dann in einer Halle voller Frauen, die deutlich gelenkiger waren als er. Aber die Frage blieb.
Im Gespräch mit Sebastian Labonte, Lukas Prandzioch und Marcus M. Lübbering erklärt Ott, was im Gehirn passiert, wenn wir abschweifen: zwei Netzwerke, die wie eine Wippe gegeneinander arbeiten, und eines davon — das Tagtraum-Netzwerk — wurde erst während seiner Forschungslaufbahn überhaupt entdeckt. Er beschreibt, warum ein Mantra dem Geist hilft, warum der Klang dabei mehr zählt als die Bedeutung, und welches Wort in einer alten Studie als Meditationsobjekt hoffnungslos durchfiel.
Es geht aber auch um das, was sonst selten zur Sprache kommt. Ott berät seit Jahren Menschen, die nach zu früh angesetzten Kursen in eine Krise geraten sind. Er warnt vor Gruppen mit Kultcharakter, vor Seminaren für zweitausend Euro, vor dem Gedanken, ein zehntägiges Schweigeretreat sei eine Art Wellnessurlaub. Es ist, sagt er, intensive Arbeit am Selbst — man räumt den Keller auf, und da liegen eben ein paar Leichen rum.
Und am Ende teilt er seine eigene tägliche Praxis: die Ruhe-Liebe-Klarheit-Meditation, Schritt für Schritt, vom Bauch über das Herz bis in den geistigen Raum. Wenn sie sitzt, sagt er, dauert sie fünf Atemzüge. Die sollte man im Alltag eigentlich haben.
„Ich mache Seminare im Benediktushof. Ich brauche gar nicht Meditation zu unterrichten. Der Raum tut das. Man braucht sich einfach nur hinzusetzen. Und die Stille, die ist so laut." — Dr. Ulrich Ott
„Es fordert erst mal Widerstand, weil unser Geist sehr gerne mentale Zeitreisen unternimmt." — Dr. Ulrich Ott
„Wir haben gesehen, welches Potenzial in der Meditation liegt und was für eine verbindende Kraft darin liegt. Ich glaube, auch für die Gesellschaft." — Marcus M. Lübbering
Kapitelmarken
00:00 — Anmoderation: ein Forscher, der die Stille misst
01:52 — Wie Marcus M. Lübbering und Ulrich Ott sich über einen Zeitungsartikel kennenlernten
03:36 — Kindheit in Frauenstein: Verbundenheit im Wald, Aufmerksamkeit beim Angeln
04:57 — Ein Satz aus einem Philosophiebuch: Atman gleich Brahman
10:53 — Was Yoga für Ulrich Ott ist: das Yogasutra des Patanjali
13:09 — Hinduistisch, buddhistisch, christlich: wo sich die Wege treffen
15:33 — Zehn Tage schweigen: was im Retreat mit einem geschieht
20:20 — Im Kernspin: Aufmerksamkeitsnetzwerk gegen Tagtraum-Netzwerk
22:51 — Nimmt die Fähigkeit ab, sich zu konzentrieren?
26:02 — Die Stufen: Selbstregulation, offenes Gewahrsein, Spiritualität
32:25 — Was eine Meditation tief macht: Retreat, Gruppe — und der Ort
33:37 — „Und die Stille, die ist so laut"
34:35 — Kirtan, Klang und die Studie über das Wort „Krik"
44:58 — Der Keller, in dem ein paar Leichen liegen
50:23 — „Meditation verstehen und anwenden" — in dieser Reihenfolge
55:51 — Gurus, Kultgruppen und was eine gute Gruppe ausmacht
58:54 — Notfallplan im Retreat: eine Befragung an Meditationszentren
1:04:40 — Die Ruhe-Liebe-Klarheit-Meditation, Schritt für Schritt
1:14:54 — Fünf Atemzüge für den Alltag
1:17:19 — Wen Ulrich Ott als nächsten Gast empfiehlt
Im Gespräch erwähnt
- Dr. Ulrich Ott am Bender Institute of Neuroimaging, Gießen — dort erforscht der Gast seit über 25 Jahren veränderte Bewusstseinszustände mit bildgebenden Verfahren.
- Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) — das Institut, an dem Ulrich Ott angestellt ist und das sich auch mit außergewöhnlichen Erfahrungen befasst; Sebastian Labonte kündigt dieses Thema für ein nächstes Gespräch an.
- Beratungsstelle des IGPP — die kostenlose Anlaufstelle für Menschen in spirituellen oder meditationsbedingten Krisen, von der Ott im Gespräch mehrfach erzählt.
- Die Bücher von Ulrich Ott — „Meditation für Skeptiker", „Yoga für Skeptiker", „Gesund durch Atmen", „Spiritualität für Skeptiker" und zuletzt „Mentale Stärke statt Stress"; alle kommen in der Folge zur Sprache.
- Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie — das Buch aus der Oberstufenzeit, zu dessen erstem Kapitel über den Yoga Ott immer wieder zurückkehrte.
- Karlfried Graf Dürckheim: Hara — von Ott als „Hara. Die Erdmitte des Menschen" genannt, heute unter dem Titel „Hara. Die energetische Mitte des Menschen" erhältlich; sein Zugang zur buddhistischen Praxis, und zufällig auch der von Marcus M. Lübbering.
- Philip Kapleau: Die drei Pfeiler des Zen — eines der Klassikerwerke, die Ott neben dem Psychologiestudium las.
- Joachim-Ernst Berendt: Nada Brahma. Die Welt ist Klang — Sebastian Labontes Empfehlung an der Stelle, an der es um die Wirkung von Klang geht.
- Thomas Metzinger — von ihm stammen die Begriffe „mentale Autonomie" und „Bewusstseinskultur", die im Gespräch eine zentrale Rolle spielen.
- Gert Scobel — Ulrich Ott Empfehlung für einen nächsten Podcastgast.
- Benediktushof, Holzkirchen — dort unterrichtet Ott Seminare; im großen Zendo, sagt er, unterrichte der Raum.
- Vipassana-Meditation in der Tradition von S. N. Goenka — die zehntägigen Schweigeretreats, über die Ott und Sebastian Labonte aus eigener Erfahrung sprechen.
- Haus Felsentor, Schweiz — Ort der Schweizer Pionierstudie, in der Zen-Praxis und Psilocybin in einem fünftägigen Retreat zusammengebracht wurden.
- Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim — dort wird die therapeutische Wirkung psychedelischer Substanzen bei schweren Depressionen erforscht.
- MBSR-MBCT-Verband — Ott nennt MBSR als Beispiel für einen Kurs, in dem der Austausch mit kompetent Lehrenden Teil des Konzepts ist.
- Kloster Eberbach — für Ott begann die Meditation schon auf dem Parkplatz: Die Ruhe vieler Jahrhunderte liege in diesem Tal.
- Wiesbadener Kurier — der Artikel über wissenschaftliche Meditationsforschung, über den Marcus M. Lübbering damals den Kontakt zu Ulrich Ott suchte. (Ohne Link, die Adresse ließ sich nicht prüfen.)
- Patanjali, Yogasutra — die klassische Darstellung des achtgliedrigen Yoga, die Ott als Vorbild wissenschaftlicher Klarheit beschreibt.
- Vivekananda: Raja Yoga — sein damaliges Lieblingslehrbuch, das er beim Lesen zu hören glaubte.
- Patricia Carrington — von ihr stammt die Studie aus den 1980er Jahren, in der „LOM" als bestes und „Krik" als schlechtestes Mantra abschnitt.
- Maranatha-Meditation — die Form, die in der Academie Kloster Eberbach geübt wird und über die im Gespräch immer wieder gesprochen wird.
- „Wegweiser Meditation" — Otts Buch mit Qualitätskriterien und Checklisten, das im kommenden Jahr erscheinen soll.
Über die Academie Kloster Eberbach
Die Academie Kloster Eberbach steht auf christlichem Fundament und ist offen für alle, die nach gelebter Spiritualität im Alltag suchen. Sie lädt zu Meditation, Seminaren, Vorträgen und Gesprächen ein — mittwochs auch weiterhin zur Meditation im Kloster, wie es im Gespräch zur Sprache kommt.
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00:00:00: Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe des Podcasts der Academie Kloster Eberbach.
00:00:06: Und dieses Mal steht uns wieder eine Stunde ein schönes Gespräch vor.
00:00:10: Und zwar will ich kurz direkt unseren Gast vorstellen.
00:00:14: Denn unser Gast stellt sich die Frage seit mehr als 25 Jahren
00:00:19: und er hat einen ziemlich ungewöhnlichen Weg gefunden, ihr nachzugehen.
00:00:23: Er legt Menschen, die meditieren, in einem Kernspintomografen und schaut ihrem Gehirn dabei zu.
00:00:29: Man könnte sagen, er misst die Stille.
00:00:31: Ulrich Ott ist Psychologe, Neurowissenschaftler, geboren in Wiesbaden, also fast in direkter Nachbarschaft unseres schönen Klosters.
00:00:39: Er forscht am Bender Institute of Neuroimaging in Gießen und leitet dort die Arbeitsgruppe für veränderte Bewusstseinszustände.
00:00:48: Viele kennen ihn durch ein Buch mit einem wunderbar ehrlichen Titel, Meditation für Skeptiker.
00:00:54: Er zeigt, dass man an nichts glauben muss, um mit dem Meditieren anzufangen.
00:00:59: Man kann es auch einfach ausprobieren.
00:01:01: Gerade sein fünftes Buch erschienen mentale Stärke statt Stress.
00:01:06: Und das Schöne ist, Dr. Ulrich Ott kennt die Stille nicht nur aus dem Labor.
00:01:11: Er meditiert selbst, seit Jahrzehnten geprägt von der buddhistischen Praxis.
00:01:16: Er ist beides, der nüchterne Forscher und der Übende auf dem Kissen.
00:01:20: Heute sitzen wir nicht im Studio, sondern mal ganz privat bei Marcus M. Lübbering zu Hause.
00:01:25: Und wir wollen gemeinsam herausfinden, wo sich diese beiden Welten begegnen.
00:01:29: Das, was man messen kann und das, was man nicht unbedingt beim Messen erzielen kann und erfahren kann.
00:01:36: Herzlich willkommen, Herr Dr. Ulrich Ott.
00:01:38: Ja, vielen Dank für die Einladung.
00:01:40: Wie immer an unserer Seite Lukas Prandzioch, auch dir ein herzliches Willkommen.
00:01:44: Hallo, schön hier zu sein.
00:01:45: Und dem Gastgeber des heutigen Tages auch dir ein warmes Hallo, Markus.
00:01:50: Ja, schön euch hier zu haben, alle.
00:01:52: Ich habe es ja gerade schon angedeutet, es ist eine Freundschaft zwischen Ihnen, Herr Dr. Ott und auch dir, Marcus. Wie habt ihr euch denn kennengelernt?
00:02:03: Oh, das liegt jetzt schon ziemlich weit zurück. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu gekommen ist. Ich vermute mal, du hast Kontakt mit mir aufgenommen.
00:02:12: Ja, es war mal ein Artikel im Wiesbadener Kurier
00:02:16: über Meditation und wissenschaftliche Betrachtung der Meditation.
00:02:20: Und dann habe ich über ein paar Ecken,
00:02:23: das war damals noch schwierig,
00:02:24: die Urheber dieser Artikel rauszufinden wegen Datenschutz.
00:02:29: Da saß der Kurier auf der Adresse und sie haben aber gesagt,
00:02:32: Sie können uns schreiben, wir geben diese Frage weiter an den Herrn Dr. Ott.
00:02:37: Und dann bist du öfter mal bei uns im Kloster Eberbach
00:02:40: auch zu meditieren gewesen und dann haben wir uns
00:02:43: ja, angefreundet, kann man
00:02:44: sagen, über die Meditation, in der
00:02:46: Stille, ganz offensichtlich passierte was.
00:02:48: Ja, genau, das war eine
00:02:50: sehr, sehr schöne Zeit, ich habe das genossen,
00:02:52: Mittwochabend, Kloster Eberbach,
00:02:55: mit einer Einleitung, mit Musik,
00:02:57: ein paar reflektierenden
00:02:59: Worten in die Stille zu gehen,
00:03:01: beziehungsweise das Mantra zu wiederholen,
00:03:03: da bin ich schon eine ganze
00:03:04: Zeit lang da gewesen,
00:03:07: regelmäßig und wir haben auch
00:03:08: danach noch viel uns unterhalten.
00:03:11: Also eine sehr schöne Erinnerung an diese Zeit für mich.
00:03:13: Wir machen es immer noch. Also immer noch herzlich willkommen.
00:03:16: Auch von Gießen aus ist es wahrscheinlich schwierig, aber es ist für alle auf der Tür.
00:03:20: Da sind wir ja schon fast mittendrin im Thema.
00:03:23: Zuvor möchte ich aber gerne noch mal etwas näher beleuchten, wie Sie zu der Meditation gekommen sind.
00:03:28: Und darum drängt sich schon fast die Frage auf, was sind denn so Ihre ersten Berührungspunkte gewesen in Sachen Meditation?
00:03:36: Ja, also wenn ich wirklich weit zurückdenke an meine Kindheit,
00:03:40: dann gibt es so ein paar Momente, wo ich denke, das war schon sehr tiefe Meditation,
00:03:46: ohne dass ich das Wort bis zu diesem Zeitpunkt gekannt habe.
00:03:49: Das waren so Erfahrungen in der Natur, wo ich da in Frauenstein, wo ich groß geworden bin,
00:03:56: im Wald gesessen habe und die Sonne, Lichtspiel durch die Blätter ging
00:04:02: und ich saß da auch so im Felsen und habe mich sehr eins gefühlt mit dem Ganzen.
00:04:07: Und da gibt es so ein paar Szenen, wo ich als relativ kleines Kind,
00:04:11: vielleicht so mit fünf, sechs Jahren, so Erfahrungen von Verbundenheit hatte,
00:04:16: wo ich heute weiß als Forscher, das ist das Kernmerkmal von spirituellen Erfahrungen,
00:04:20: die Verbundenheit, entweder mit etwas, was man als Gott bezeichnet oder dem Universum
00:04:26: oder mit der Natur, die einen umgibt, so war das damals bei mir,
00:04:29: Oder auch eine innere Verbundenheit mit sich selbst,
00:04:33: dass man durch Meditation erreichen kann, diese Erfahrung.
00:04:37: Oder eben auch mit anderen Menschen.
00:04:39: Das waren so die allerersten Vorläufer.
00:04:41: So ein bisschen in die Richtung gehen vielleicht auch meine Erfahrungen beim Angeln.
00:04:46: Das war fokussierte Aufmerksamkeit pur.
00:04:49: Aber schon mit einer klaren Zielsetzung, dass irgendwann mal der Schwimmer zappelt
00:04:52: und dann mal einen Fisch fängt.
00:04:54: Also nicht so ganz ziellos.
00:04:57: Richtig angefangen hat die Meditation oder das Interesse daran, eigentlich durch mein Interesse und meine Beschäftigung mit Philosophie.
00:05:07: Das war ich noch so die Oberstufen Sturm und Drangzeit, wo man wissen will, was die Welt im Innersten zusammenhält.
00:05:14: Da hat mich ein Buch durch begleitet, Hans Joachim Störig, kleine Weltgeschichte, Philosophie.
00:05:21: Und das geht direkt los mit dem Yoga, mit der hinduistischen Philosophie.
00:05:27: Und ich habe dann zwar auch weitergelesen und die griechischen Philosophen und so weiter,
00:05:32: aber ich bin immer wieder zu diesem ersten Kapitel zurückgekehrt,
00:05:35: wo da dieser eine Satz stand, Atman gleich Brahman,
00:05:38: das heißt, die individuelle Seele ist gleich der Weltseele und das ist keine Behauptung,
00:05:43: sondern das ist etwas, was ich empirisch in meinem eigenen Bewusstsein in mir erfahren kann,
00:05:48: realisieren kann, wenn ich Yoga praktiziere.
00:05:50: Und das waren dann tatsächlich auch meine ersten praktischen Erfahrungen,
00:05:54: dass ich mich hier in Wiesbaden-Kohlheck im Volksbildungswerk Klarenthal angemeldet habe zum Yoga-Kurs
00:05:59: und dachte, jetzt kann ich etwas von dieser tiefgründigen Philosophie im eigenen Leib erfahren.
00:06:03: Und das war dann ganz anders.
00:06:05: Da war ich dann als junger Schlags-Oberstufenschüler zusammen mit Frauen im mittleren Alter,
00:06:13: die dann ganz professionell ihre Yogamatte ausrollten und nicht viel sprachen
00:06:17: und viel gelenkiger waren als ich. Also das war es nicht.
00:06:20: Wann war das in etwa? Können Sie sich erinnern?
00:06:22: Da werde ich so 15, 16 gewesen sein. Das waren wirklich meine ersten Sitz- oder Yoga-Versuche, Bewegungsversuche.
00:06:30: Ich bin dann aber relativ schnell auch auf buddhistische Meditation gestoßen.
00:06:36: Da ist so ein herausragendes Buch Hara. Die Erdmitte des Menschen von Graf Dürckheim,
00:06:41: wo er auch die japanische Kultur, die mir sehr sympathisch ist, beschreibt und dieses Versenken in den Bauch.
00:06:48: Und ich habe das dann gemacht und habe tatsächlich besondere Erfahrungen gemacht, wo ich das gefühlt habe, mein Ich ist gar nicht mehr im Kopf, sondern es sinkt in den Harra, also in diesen Bereich, so unterhalb vom Bauchnabel und das hat mich sehr erstaunt, weil davon hatte ich vorher nie was gehört und es gab noch andere Erfahrungen während der Meditation, wo ich gemerkt habe, da gibt es eine ganze Welt zu entdecken, aber es gibt leider nicht so viel Informationen.
00:07:16: Die habe ich dann gesucht und das war mit auch ein ausschlaggebender Punkt, um das Psychologiestudium anzufangen.
00:07:25: Wenn Sie sagen, Sie sind immer wieder zu dem hinduistischen im Buch, zu dem ersten Teil zurückgekommen, können Sie sich noch daran erinnern, was genau Sie daran so begeistert hat?
00:07:34: Ja, einmal diese klare Aussage, Atman gleich Brahman, und dann aber zu sagen, das ist nicht irgendeine Einbildung, eine Philosophie oder ein Glaubenssatz, sondern es ist eine empirische Realität, die man überprüfen kann.
00:07:47: Und um das zu realisieren, gibt es die Methode des Yoga. Und dann wurde beschrieben, und zwar in dieser etwas altertümischen Übersetzung der alten Indologen, was Geisteszucht bedeutet, das waren so Worte, die hörten sich alle ein bisschen fremd an und nicht so richtig sympathisch, aber es gab eben diese Systematik von einer gewissen ethischen Schulung, dem Sitzen, dem systematischen Erlernen der Körperhaltung,
00:08:13: Und dann kommt die Atemregulation dazu, das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt.
00:08:17: Und das ist alles das Vorspiel. Das ist der äußere Yoga.
00:08:22: Und dann geht es eigentlich erst los mit dem Konzentrieren, mit der Meditation und der tiefe Versenkung.
00:08:29: Also dieses achtstufige, klassische Yoga nach Patanjali war da beschrieben,
00:08:34: was ich dann später auch in einem eigenen Buch Yoga für Skeptiker ausführlich dargestellt habe.
00:08:40: Aber da war schon die Grundlage gelegt für ein Interesse, das wirklich rauszufinden
00:08:46: und auch gleichzeitig in eine modernere Sprache zu übersetzen,
00:08:50: weil das war schon sehr philosophisch und so gelehrtenmäßig dargestellt.
00:08:56: Und ich habe gemerkt, da ist eine Substanz dahinter, die es zu erfahren und zu erforschen gibt.
00:09:00: Das war damals wirklich noch ziemlich wenig erforscht.
00:09:05: Und das habe ich dann leider auch in meinem Psychologiestudium so feststellen müssen.
00:09:10: Da habe ich so viel Statistik gelernt, was mir auch liegt, weil ich sehr so mathematisch und physikalisch auch Oberstufenkursmäßig, das war meine Leistungskurse, orientiert bin.
00:09:21: Aber zur Substanz dessen, was das selbst ausmacht, was veränderte Bewusstseinszustände ausmacht, gab es damals noch nicht so wirklich viel im Bereich der Psychologie.
00:09:31: Und das, was es gab, habe ich dann aufgesogen
00:09:33: und dann nebenbei die Klassiker gelesen,
00:09:36: wie Die drei Pfeiler des Zen von Philip Kapleau.
00:09:39: Ein ganz tolles Lehrwerk, was authentischen Zen vermittelt,
00:09:42: wie er damals in Japan praktiziert wurde.
00:09:44: Und im Yoga war es vor allem Raja Yoga von Vivekananda.
00:09:49: Das war damals mein Lieblingslehrbuch,
00:09:51: weil ich da beim Lesen wirklich das Gefühl habe,
00:09:54: ich höre, wie Vivekananda spricht.
00:09:56: Und später habe ich dann erfahren,
00:09:57: er hat es tatsächlich diktiert, das Buch.
00:09:59: Und das hat auch einen sehr provokativen Touch, weil er sagt, wenn man von Gott redet,
00:10:04: dann sollte man wissen, wovon er redet und nicht nur glauben, sondern sollte es erfahren.
00:10:07: Und Yoga ist eben die systematische Hinführung zu diesen Erfahrungen.
00:10:11: Also er hat das quasi als Wissenschaft dort dargestellt.
00:10:15: Und das fand ich sehr mutig und provokant und wollte sehen,
00:10:19: ist es denn wirklich auch mit der westlichen Wissenschaft so nachvollziehbar, wie es da beschrieben wird.
00:10:25: Ich finde das ganz interessant, dass aus der Erfahrung diese Neugier kommt.
00:10:29: Und was du gerade gesagt hast über Hara-Übungen,
00:10:33: das war auch mein erster Zugang zur Meditation.
00:10:35: Eine christliche Ordensschwester hat gesagt,
00:10:37: diese Dimension, die fehlt uns hier in unserem verkopften Glauben.
00:10:41: Und diese Erfahrung hat mich auch auf den Weg gesetzt,
00:10:45: es einfach tiefer zu probieren.
00:10:48: Das ist ganz interessant.
00:10:49: Ich wusste es nicht, bei allem, wo wir darüber geredet haben.
00:10:51: Ganz interessant. Gemeinsame Wurzel.
00:10:53: Was ist denn für Sie konkret Yoga?
00:10:59: Ja, das ist ein ganz großes Feld. Yoga ist für mich erstmal klassisch die Philosophie, die Patanjali, mit ihm als Autor jedenfalls zugeschrieben, dargelegt hat. Das Yogasutra, 192 Sätze, wo Klaas klar, eigentlich so wie man sich Wissenschaft wünscht, definiert wird, Begriffsdefinitionen, Erklärungen und Vorhersagen.
00:11:27: Also jetzt wird Yoga erklärt. Yoga ist das Bewältigen der Bewegung der inneren Welt.
00:11:33: Was sind diese Bewegungen?
00:11:36: Solange wir mit den Bewegungen identifiziert sind, können wir das wahre Selbst nicht erkennen, den Sehenden hinter allem.
00:11:42: Um diese Bewegung zu bewältigen, können wir dies tun, dieses tun, dieses tun, die ganzen Methoden.
00:11:48: Und dann wird systematisch beschrieben, wenn man in immer tiefere Bewusstseinszustände und Versenkungszustände kommt
00:11:53: Und am Ende, am ersten Kapitel dieses Yoga Sutras in Vers 51 steht dann, dann hat man den tiefsten Samadhi erreicht. Und dann geht es aber wieder weiter. Und wie sieht die Praxis aus? Also erst wird die Theorie dargelegt, dann kommt die konkrete Praxis, auch sehr psychologisch genau erkläre ich, wie das funktioniert, die verschiedenen Techniken.
00:12:13: Also mich hat das Yogasutra sehr fasziniert,
00:12:17: aber auch in Verbindung mit der Praxis
00:12:20: und den tatsächlichen Effekten im Bewusstsein,
00:12:23: die zum Beispiel Pranayama-Übungen hervorrufen können.
00:12:27: Also Pranayama, da habe ich ja noch ein eigenes Buch zugeschrieben
00:12:30: mit einer Doktorandin zusammen, Gesund durch Atmen,
00:12:33: wo man nur so vier Techniken beschreibt,
00:12:36: die man nutzen kann zur Selbstregulation,
00:12:38: um sich zu beruhigen, zu balancieren, zu fokussieren
00:12:41: oder auch zu aktivieren.
00:12:43: Also nicht nur immer entspannen. Yoga kann man auch wunderbar benutzen, um den Geist zu erfrischen und hochzufahren, zu aktivieren.
00:12:50: Also mit Hyperventilationstechniken. Das können wir heute wissenschaftlich wunderbar auch alles beschreiben.
00:12:57: Also da hat sich sehr, sehr viel getan in den vielen Jahren, in denen ich in diesem Bereich forsche.
00:13:03: Da haben wir heute ein sehr gutes Wissen dazu und auch die entsprechenden Methoden, um das darzustellen.
00:13:09: Was ist denn so für Sie das verbindende Element zwischen, ich sage es immer, hinduistischen Meditationskultur,
00:13:16: weil unser Steckenpferd hier bei uns ist die christliche Meditation, also auch damit verglichen,
00:13:20: aber Sie haben es selber ja gesagt, Sie waren auch begeistert von buddhistischem Lifestyle.
00:13:25: Was ist denn da so für Sie letzten Endes, Stand heute, so die Gemeinsamkeiten?
00:13:31: Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten, auch von der Zielsetzung her von dem, worum es geht,
00:13:37: Nämlich einer tiefen Selbsterkenntnis.
00:13:40: Die Methoden unterscheiden sich ein bisschen im Yoga, vor allem in dem Hatha-Yoga, in dem achtgliedrigen Yoga.
00:13:49: Da wird auch der Körper sehr stark einbezogen.
00:13:51: Das fehlt manchmal ein bisschen in mehr so philosophischen oder auch in den christlichen Ansätzen.
00:13:56: Wobei das auch wieder unterschiedlich ist.
00:13:58: Es gibt auch welche, die eher so psychosomatische Methoden, Herzensgebet, das auch im Körper lokalisiert, nicht nur im Kopf.
00:14:05: Oder die Atmung fokussieren, auch die Nabelschau, die jetzt ja mehr so als Begriff negativ belegt ist, hat ja eigentlich was damit zu tun, dass man die Aufmerksamkeit wirklich tief ins Innere, in den Bauchraum verlegt.
00:14:18: Und ich habe als Wissenschaftler mich nie einer bestimmten Richtung verschrieben.
00:14:24: Ich habe zwar eine Yoga-Lehrer-Ausbildung gemacht, aber ich war nie Hinduist.
00:14:28: Ich habe das so ein bisschen wie ein Wanderer zwischen den Welten betrieben.
00:14:33: Das heißt, ich wollte hineingehen, ich wollte das selbst erfahren, da rein eintauchen.
00:14:37: Ich habe die besonderen Bewusstseinszustände dort auch erlebt.
00:14:42: Auch Phänomene, die westlich bis jetzt noch nicht verstanden sind.
00:14:45: zu Energieströmen im Körper, Kundalini-Erfahrung zum Beispiel,
00:14:49: sehr intensive, tiefe Meditationserfahrung im Yoga.
00:14:54: Und andererseits habe ich auch buddhistische Techniken ausprobiert
00:14:58: und habe gesehen, das funktioniert auch sehr gut.
00:15:00: Ich schätze auch die Psychologie, die Buddha entwickelt hat
00:15:05: und die Methodik sehr hoch.
00:15:06: Ich habe auch so zehn Tage Retreats gemacht,
00:15:09: wie Vipassana-Meditation, wo man sich dreieinhalb Tage
00:15:13: nur damit beschäftigt, wie der Atem
00:15:15: durch die Nasenlöcher einströmt und
00:15:16: ausströmt und danach
00:15:18: fünfeinhalb Tage, zehn Stunden am Tag
00:15:21: nur durch den Körper wandert
00:15:23: mit der Aufmerksamkeit und
00:15:24: die Effekte, die das hat, sind
00:15:26: enorm. Also ich weiß das aus
00:15:29: eigener Erfahrung. Ich glaube, Sie haben auch
00:15:30: ähnliche Erfahrungen gemacht.
00:15:33: Wir haben im Vorgespräch schon darüber
00:15:34: uns unterhalten, dass ich da Erfahrungen
00:15:36: sammeln durfte und das war auch mit
00:15:38: einer der intensivsten
00:15:40: Meditationserfahrungen, die ich gemacht habe.
00:15:42: Mein Retreat ging zehn Tage und am ersten Tag war ankommen, ehrlicherweise noch,
00:15:46: und kennenlernen, aber danach war es dann wirklich schweigend verbracht.
00:15:49: Ich konnte Ihnen jetzt allen zustimmen, was Sie jetzt gerade aufgezählt haben,
00:15:54: wie man da reinkommt, aber es war wirklich Arbeit.
00:15:58: Also ich war wirklich, ich will jetzt nicht sagen gestresst,
00:16:01: aber war ich am Ende des Tages, zumindest am Anfang.
00:16:04: Am Ende der zehn Tage hätte ich wahrscheinlich auch noch weitermachen können,
00:16:08: aber vielleicht, also die Passana heißt Schweigel-Retreat,
00:16:12: man sitzt zusammen schweigend und vielleicht können Sie ja mal kurz beschreiben
00:16:17: oder auch gerne lang beschreiben, was geht denn da in einem vor?
00:16:19: Weil ich könnte mir vorstellen, dass es langfristig, wenn man lang meditiert,
00:16:23: ähnliche Effekte hat. Das ist halt sehr geballt.
00:16:25: Genau, also im Retreat sieht man sozusagen im Zeitraffer
00:16:30: eine sehr intensive Entwicklung, die man normalerweise über längere Zeiträume macht,
00:16:36: wenn man halt sporadischer oder zumindest weniger praktiziert.
00:16:40: Das ist auch tatsächlich aktuell mein Fokus, diese intensiven Erfahrungen beim Retreat zu untersuchen
00:16:45: und auch die Systematik, wie die sich aufbauen.
00:16:47: Und das kann man da wirklich innerhalb von einer Woche oder zwei Wochen richtig gehen, studieren,
00:16:52: wie man, wenn man aus dem Alltag rauskommt und der Geist ist wie in so einem Hamsterrad,
00:16:57: in so einem Gedankenkarussell gefangen mit seinen Plänen.
00:17:00: Man muss ja sein Leben irgendwie organisieren.
00:17:02: Und dafür ist unser Ich wunderbar gut.
00:17:05: Das hat seinen Zeithorizont, unser Leben ist da eingeordnet in so einem Schedule.
00:17:10: Ja, der auch manchmal schiefläuft, wenn man zu einem Interview will.
00:17:13: Also man hat diesen normalen Modus des Funktionierens, wo man weiß, hier bin ich, da ist die Welt und es gibt die Zeit und den Raum und die Aktion zwischen den Akteuren.
00:17:22: Und ich kann das irgendwie alles durchnavigieren mit meinen Vorhersagen, da kommt man ja dahinter nach drauf.
00:17:28: Absolut.
00:17:29: Weil ich habe viele Erfahrungen mit der Welt gesammelt, ich bin erfolgreich, mich darin zu bewegen.
00:17:35: So, und jetzt ist die Anweisung eine völlig andere.
00:17:38: Nämlich den Atem zum Beispiel zu spüren, wie er durch die Nase ein- und ausströmt.
00:17:45: Und was dann als erstes passiert ist, ich stelle fest, ich kann das nicht.
00:17:48: Oder ich kann das vielleicht für fünf Sekunden.
00:17:51: Und schon kommen irgendwelche Gedanken.
00:17:53: Und der planende Geist setzt ein.
00:17:56: Oder irgendwelche Vorstellungen führen mich weg von dem gegenwärtigen Objekt.
00:18:02: Der Atem, das ist vielleicht so die ersten Momente interessant.
00:18:05: Dann wechselt man auch mal ein Highlight
00:18:07: vom linken Nasenloch zum rechten Nasenloch, ja, was Neues.
00:18:11: Weil unser Geist will ja immer, der sucht ja immer diesen Anreiz.
00:18:14: Und jetzt sagt es auch noch gleich die Anleitung,
00:18:17: bleib bei dem, was in diesem Moment passiert.
00:18:20: Das heißt, mein zeitlicher Horizont,
00:18:23: wo ich normalerweise mich hin und her bewege,
00:18:25: tief in die Vergangenheit bis in die Zukunft,
00:18:28: bis in meine Planung von Zukunft,
00:18:31: Oder zumindest mal plane ich einen Tag oder die Woche oder ich habe einen Horizont vom Urlaub.
00:18:36: All das heißt es, lass es außen vor und beschränke deine volle Aufmerksamkeit auf diesen Moment jetzt.
00:18:44: Nimm das wahr, voll und ganz.
00:18:46: Und da gibt es einen ganz großen Widerstand unseres Geistes, weil der ist ja im ganz anderen Modus unterwegs.
00:18:51: Und davon lässt er auch nicht so leicht ab.
00:18:53: Das heißt, die erste Zeit besteht eigentlich darin, den Geist zu zähmen.
00:18:58: Und was da sehr hilfreich ist, und da kommen wir auch so ein bisschen wieder zum Christlichen und zum Mantra,
00:19:04: was im Yoga sehr verbreitet ist, aber auch in der Maranatha-Meditation, ist, dass ich dem Geist ein Objekt gebe.
00:19:11: Ich gebe ihm einen Anker, einen Fokus, einen Beschäftiger, einen Inhalt.
00:19:16: Und besonders gut ist es, wenn es ein Mantra ist, weil es ein sprachlicher Inhalt ist,
00:19:21: weil wir damit das Denken sehr schön bändigen können.
00:19:24: Ich kann nämlich nicht zwei Gedanken gleichzeitig denken.
00:19:27: Das heißt, ich gebe einen bevorzugten Gedanken und ich merke dann auch, wenn ich abschweife,
00:19:31: wenn ich es nur so halbherzig oder nicht mit voller Aufmerksamkeit wiederhole,
00:19:36: dass ich nebenbei noch so Nebengedanken habe und wenn ich das merke, dann hole ich mich zurück.
00:19:41: Und das ist auch, also beides ist ein Lernprozess.
00:19:44: Einerseits die Fokussierung zu halten und andererseits eine Meta-Bewusstheit zu entwickeln,
00:19:50: wann ich die Fokussierung verliere und dann zu reagieren und mich zurückzuholen.
00:19:56: Und das kann man wirklich mit Bildgebung, mit Hirnbildgebung wunderbar untersuchen.
00:20:01: Man sagt den Leuten, fokussiere dich auf dieses Objekt.
00:20:04: Und jedes Mal, wenn du merkst, du bist abgeschwiffen, dann drückst du einen Knopf.
00:20:08: Und dann weiß ich genau, bevor sie den Knopf gedrückt haben, waren sie abgeschwiffen,
00:20:14: beziehungsweise haben es gemerkt, aber kurz davor waren sie abgeschwiffen.
00:20:17: Und danach sind sie zumindest ein bisschen wieder fokussiert.
00:20:20: Und das sieht man auf den Bildern?
00:20:22: Das kann man sehen.
00:20:23: Man kann dann einfach definieren, das sind die Zeiten, wo die Leute abgeschweift waren,
00:20:28: das sind die Zeiten, wo sie wieder fokussiert waren, nachdem sie auf den Knopf gedrückt haben,
00:20:32: zumindest eine gewisse Zeit.
00:20:34: Und bei der Hirnbildgebung ist immer wichtig, dass ich zwei Bedingungen habe, die ich kontrastieren kann.
00:20:39: Dann gucke ich, in welcher der Bedingungen ist welches Netzwerk aktiver.
00:20:44: Wir messen ja die Durchblutung vom Gehirn.
00:20:48: Und da, wo viele Neuronen aktiv sind, da ist viel frisches Blut, viel Sauerstoff,
00:20:52: da haben wir ein stärkeres Signal.
00:20:53: Und da sehen wir wirklich, wir haben im Hirn quasi wie so eine Wippe, die auf und runter klappt, nämlich immer die Aufmerksamkeitsnetzwerke ist eine Weile hoch und irgendwann wird aber der Atem wirklich so langweilig oder irgendein Inhalt ist so interessant, dass er die Bühne erobert und das eigentliche Objekt weg ist und es kippt.
00:21:16: Wir wissen, welche Netzwerke das sind. Wir wissen, welche Netzwerke brauchen wir zum Fokussieren, welche Aufmerksamkeitsnetzwerke. Und dieses andere Netzwerk, das ist auch während meiner Forschungslaufbahn eigentlich erst entdeckt worden, das Default-Mode-Netzwerk, das ist unser Tagtraum-Netzwerk zum Mind-Wandering.
00:21:36: Und die beiden stehen in so einer ständigen Konkurrenz und die sind auch, wenn man die Verläufe für beide Regionen über die Zeit darstellt, sind die antikorreliert.
00:21:47: Eins ist oben, das andere geht runter und dann wechselt das.
00:21:50: Also das ist faszinierend, das zu beobachten und die Meditierenden schaffen es halt, dieses Tagtraum-Netzwerk besser zu hemmen.
00:22:00: Und die Aufmerksamkeitsnetzwerke, unser Gehirn reagiert auf das, was wir tun mit Wachstum, mit Training.
00:22:06: Es wird auch leichter mit der Zeit.
00:22:07: Irgendwo wird der Geist geschmeidiger und nicht mehr so wild wie so ein störrisches Pferd.
00:22:12: Aber dann kann man sagen, wer meditiert, ich will jetzt nicht sagen sofort, aber der ist doch mehr im Hier und Jetzt.
00:22:18: Genau, das ist die Aufgabe, das kann ich trainieren.
00:22:21: Es fordert erstmal Widerstand, weil unser Geist sehr gerne mentale Zeitreisen unternimmt.
00:22:28: Das liegt in unserer Natur und wir können wunderbar Wirklichkeiten simulieren.
00:22:33: Deswegen können wir beim Fernsehen gucken, auch völlig woanders sein,
00:22:36: in einer ganz anderen Handlung, anderer Person sein und von uns weg uns bewegen.
00:22:41: Und diese bewegen zurück, raus aus der Simulation hin in die aktuelle, gegenwärtige Wirklichkeit.
00:22:47: Das ist die Bewegung, die ich in der Meditation am Anfang übe.
00:22:51: Wenn ich Ihnen so zuhöre, klingt das für mich auch sehr stark nach Trance und Aufmerksamkeitsfokussierung.
00:22:58: Und da wäre meine Frage auch, über die Jahre, in denen Sie geforscht haben, haben Sie den Eindruck, dass in der Gesellschaft die Fähigkeit, sich konzentrieren zu können, tatsächlich abgenommen hat? Also ist das was, was Sie auch in Ihren Forschungsergebnissen sehen? Und was würden Sie dann sagen, sind die Implikationen davon, wenn die Menschen immer mehr Probleme damit haben, die Aufmerksamkeit zu halten?
00:23:20: Ja, also ganz klar ja. Die Aufmerksamkeitsspannen sind nicht mehr so lang. Das erzählen mir auch Kollegen, die sagen, was ich früher unterrichten konnte in Philosophie zum Beispiel, ein langer Satz kann ich nicht mehr machen, weil die Leute am Ende den Faden verloren haben, womit der Satz anfing.
00:23:37: Man sieht es auch sehr schön an den Medien, an den Videos, wenn man schaut in YouTube.
00:23:42: Am Anfang dachte ich, wenn ich so ein Interview geschaut habe, was ist denn da mit der Kamera kaputt?
00:23:47: Da ist der Autofokus gestört, der zoomt immer irgendwie rein und raus.
00:23:51: Und dann fragt ich hier, sag mal, was ist mit eurer Technik?
00:23:53: Das ist Absicht, das müssen wir machen, um die Aufmerksamkeit zu stimulieren.
00:23:58: Wir müssen alle paar Sekunden einen Schnittwechsel oder einen Zoom machen, künstlich,
00:24:03: Weil die Leute sonst einfach nur den Kopf sehen und da tut sich nichts, die verlieren das Interesse. Ja, und zum Teil gibt es ja schon so Ansätze, wo man die Videos mit anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit anschauen kann, einfach damit mehr passiert, was die Aufmerksamkeit fesselt.
00:24:18: Also diese Fähigkeit aus eigenem intrinsischen Interesse, die Aufmerksamkeit dauerhaft zu halten, die nimmt ab, indem wir von außen die Stimuli gesetzt bekommen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das finde ich ist auch ein sehr schöner Begriff von Thomas Metzinger, der spricht von der mentalen Autonomie. Dass die uns verloren gegangen ist, weil wir so von außen reizgetrieben sind und die können wir durch Meditation auch wieder erlangen.
00:24:45: Mentale Autonomie, das muss man erst mal sacken lassen, finde ich, so eine Begrifflichkeit, das ist ja schön.
00:24:50: Das ist ja im Grunde eine Aufforderung, gerade zu meditieren.
00:24:53: Die Frage, die ich da in dem Zusammenhang habe, wir haben ja etwas, weil du von dem Mantra eben gesprochen hast,
00:25:01: was wir als einfache Form der Meditation den Menschen vermitteln, weil sie etwas haben, an dem sie sich festhalten,
00:25:08: auf das sie sich konzentrieren können. Gibt es da so eine Abstufung, dass man sagt, Mantra ist relativ einfach,
00:25:15: weil ich einen Gegenstand habe.
00:25:17: Atem ist vielleicht schon schwieriger.
00:25:19: Und dann gibt es ja,
00:25:20: ich bin in der buddhistischen Meditation nicht so bewandert,
00:25:23: aber es gibt ja sowas wie liebende Güte-Meditation,
00:25:26: wo ich mir auch Menschen in die Meditation nehme.
00:25:32: Ich soll die Gedanken kommen lassen,
00:25:35: aber nicht daran festhalten und trotzdem meditieren.
00:25:39: Das heißt loslassen.
00:25:41: Das ist für mich die höchste Form von Meditation,
00:25:44: obwohl ich es nicht praktizieren kann.
00:25:46: Also ich hätte Angst, in die Röhre von dir geschoben zu werden,
00:25:50: weil ich wahrscheinlich nicht mal beim Mantra irgendwie hinkomme.
00:25:53: Aber gibt es da so eine Folge von, da wird es immer schwieriger?
00:25:59: Es gibt tatsächlich so etwas wie eine Stufenfolge.
00:26:02: Das habe ich auch in meinem letzten Buch
00:26:04: Mentale Stärke statt Stress entwickelt.
00:26:07: Man fängt auch in den Traditionen in der Regel an mit einem Fokus,
00:26:12: mit einer fokussierten Meditation, wo ich einen Anker habe, Meditationsobjekt.
00:26:16: Im Fachbegriff heißt es Focused Attention, FA.
00:26:20: Damit fängt man an, wobei das Objekt da gar nicht so eine große Rolle spielt.
00:26:25: Der Atem wird sehr oft benutzt als Objekt, weil er eigentlich einfacher ist als noch in Mantra,
00:26:32: weil sich ja was tut.
00:26:33: Und etwas, was sich bewegt zu beobachten, ist immer noch ein bisschen reizvoller,
00:26:38: als nur so ein Wort zu generieren.
00:26:41: Wobei auch da, weil du vorhin sagtest,
00:26:44: die liebevolle Güte,
00:26:45: das wäre jetzt so eine Gefühlsqualität,
00:26:47: auf die ich mich ausrichte.
00:26:48: Auch bei Mantra und jetzt gerade bei Maranatha
00:26:51: ist es ja nicht nur ein Wort.
00:26:53: Das Wort ist ja mit einer Bedeutung verbunden
00:26:56: und zwar mit einer inneren Haltung,
00:26:57: um die es mir geht, die zu kultivieren.
00:27:01: Herr komme, das ist eine innere Öffnung
00:27:05: hin zu etwas Größerem.
00:27:07: Also das ist nicht nur eine Wortfolge, sondern eine innere Haltung, die ich dabei kultiviere,
00:27:12: die auch viel mit Loslassen, mit Hingabe, mit dem Zurücknehmen des eigenen Etwas-Haben-Wollens zu tun hat.
00:27:20: Von daher geht das auch schon sehr tief in Bereiche rein, wo wir das Spirituelle berühren.
00:27:27: Weil bei der fokussierten Aufmerksamkeit kann man auch sagen, das hat oft sowas von mentalem Training.
00:27:33: Ich lerne, meine eigenen geistigen Prozesse selbst zu regulieren.
00:27:37: Ich spreche auch davon, die erste Stufe, das ist Selbstregulation.
00:27:41: Selbstregulation der Aufmerksamkeit,
00:27:44: Selbstregulation des vegetativen Nervensystems, das heißt entspannen.
00:27:49: Auch ein ganz wichtiger Punkt, weil wenn ich physisch entspannt bin
00:27:54: und nicht so angespannt bin, und das dauert manchmal auch ein bisschen,
00:27:57: man merkt vielleicht nach einer halben Stunde,
00:28:00: dass die Schultern noch runterfallen,
00:28:01: weil da so eine latente Anspannung noch drinsteckte.
00:28:04: Oder der Kiefer wird auf einmal locker.
00:28:06: Da ist doch irgendein Gesichtsausdruck da, so ein Lächeln.
00:28:09: Auf einmal denke ich, wen lächle ich eigentlich gerade an?
00:28:12: Ja, das ist einfach so etwas Habituelles,
00:28:13: was man erst merkt, wenn man sich ein bisschen Zeit lässt.
00:28:16: Also dieses Körperwahrnehmen,
00:28:19: negatives Nervensystem runterfahren,
00:28:22: das kann man auch sehr, sehr schön messen.
00:28:23: Vagus-Dominanz, das heißt, Blutdruck sinkt,
00:28:27: Herzschlag beruhigt sich, Schweißdrüsen lassen nach,
00:28:30: Muskelspannung, die ganzen typischen Entspannungsindikatoren.
00:28:33: Man hat am Anfang gedacht, Meditation ist ein Entspannungsverfahren.
00:28:37: Ja, stimmt auch, aber es hört da nicht auf.
00:28:39: Und dann kommt eben diese Fokussierung des Geistes,
00:28:44: ihn zu sammeln, eine Sammlung.
00:28:46: Auch Besinnung finde ich ein schöner Begriff, um das auszudrücken.
00:28:50: Aber was fange ich dann damit an?
00:28:52: So, und jetzt hast du noch was angesprochen,
00:28:55: was im Buddhismus auch sehr hoch gehalten wird,
00:28:57: nämlich das offene Gewahrsein.
00:28:59: Und das ist Stufe zwei.
00:29:01: Das ist eine Selbstreflexion, ohne dass ich ein bestimmtes Objekt wähle,
00:29:06: sondern ich schaue mir alles an, was im Inneren auftaucht.
00:29:10: Offenes Gewahrsein, eigentlich wäre Open Monitoring,
00:29:13: Empfindungen, Gefühle und Gedanken,
00:29:16: so wie sie im Geist, im Inneren entstehen, nehme ich wahr,
00:29:20: aber ich gehe ihnen nicht nach.
00:29:22: Ich gehe nicht den Gedanken nach,
00:29:24: sondern ich nehme sie als Phänomene im Geist wahr
00:29:27: und braucht dafür auch wieder diese Meta-Bewusstheit.
00:29:31: Die Dinge, die kommen, und jetzt wird es wirklich interessant,
00:29:34: und da ist eigentlich die Psychologie ideal geeignet, um die Prozesse zu erklären.
00:29:39: Woher kommen denn diese Inhalte?
00:29:41: Wenn ich meine, die innere Bühne freiräume, was kommt da als Inhalte?
00:29:45: Das, was innerlich bedeutsam ist, was eine Wertigkeit hat.
00:29:49: Der Fachausdruck ist Valenz, es hat eine Wertigkeit.
00:29:53: Und das ist ein eigenes Netzwerk, das ist eher die limbische Struktur, die mir sagen, was ist attraktiv, was wünsche ich mir, da kommen innere Wünsche, Wunschvorstellungen hoch, oder was ist aversiv, was ängstigt mich, was fürchte ich.
00:30:10: Das sind die Dinge, die den geistigen Inhalten Wert verleihen.
00:30:15: Das ist auch deswegen, warum wir so viel Predictive Processing betreiben.
00:30:19: Wir wollen immer die Handlung auswählen, damit das Angenehme maximiert wird und das Unangenehme minimiert.
00:30:25: Und schon sind wir mitten in der buddhistischen Philosophie oder Psychologie, die sagt,
00:30:30: das sind eigentlich die Dinge, die die leidvollen Spannungen in uns erzeugen.
00:30:34: Und was mache ich jetzt im offenen Gewahrsein?
00:30:36: ich schaue mir dieses innere Geschehen, diese Muster von Wünschen an und wie die auch interagieren.
00:30:44: Da ist irgendwie so eine Enge im Herzen und dann merke ich auf einmal ein Bild, was aufsteigt
00:30:50: und vielleicht eine Verletzung, irgendeine Szene, das ist emotional.
00:30:54: Es ist nicht verarbeitet, es hat eine emotionale Wertigkeit und es kommt hoch mit einem Bild
00:30:59: oder mit einem Gedanken und ich sehe vom Gedanken über das Gefühl bis in die Körperreaktion ein Muster.
00:31:05: Und wie dieses Muster auch meine ganze Wahrnehmung und mein Sein in der Welt prägt, wenn ich es wahrnehme, durchlebe und loslasse, und das ist die Erfahrung auch in diesen Retreat-Erfahrungen, ist es wie wenn die Filter, die meine Wahrnehmung beeinträchtigen, langsam transparent werden und nachlassen.
00:31:26: Und ich kann immer mehr in der Welt sein, so wie sie ist, ohne meine Wünsche, Erwartungen und Ängste darauf zu projizieren. Und das ist diese innere Freiheit und Authentizität, deretwegen viele auch die Meditation praktizieren, weil sie sagen, ich bin ganz bei mir selbst und ganz frei in mir selbst, mit mir selbst und kann dann auch ganz anders mit anderen in Kontakt treten.
00:31:49: Wenn man das in der Gruppe macht und sich alle öffnen, dann gibt es natürlich auch noch eine besondere Erfahrung von Verbundenheit und Offenheit und Gemeinschaft, da sind wir direkt in der Spiritualität.
00:32:01: Ich komme gleich noch dazu, wenn ich kurz einhaken darf. Sie sprechen mir gerade etwas Interessantes an, denn was ich selber gemerkt habe, ist, bei Retreats wirkt es dann anders in der Gruppe.
00:32:11: Haben Sie das selber schon mal auch messen können oder irgendwie wissenschaftlich belegen können oder ist das wirklich nur einfach ein Gefühl?
00:32:17: Das ist etwas, was wir nicht gemessen haben, aber was alle Meditierenden mir bestätigt haben, die ich bis jetzt dazu gefragt habe.
00:32:25: Und wir haben explizit gefragt, weil ein Thema meiner Doktorarbeit, die ich damals veröffentlicht habe, war die Frage, was ist eigentlich tiefe Meditation?
00:32:35: Und im Zusammenhang damit haben wir die Leute auch gefragt, und was sind die entscheidenden Faktoren, damit eine Meditation tief wird?
00:32:44: Eins davon ist das Retreat, weil wenn ich am nächsten Tag mich wieder hinsetze, dann habe ich viel von meinem Alltag schon hinter mich gelassen. Das heißt, ich steige nicht wieder an Null ein. Der zweite große Faktor der Meditation unterstützt ist die Gruppe. Die Gemeinschaft der Übungen, das Sangha auch im Buddhismus hat einen ganz hohen Stellenwert.
00:33:04: Es kommt natürlich auch etwas darauf an, dass das eine Gruppe von Erfahrenen ist.
00:33:10: Also wenn ich jetzt nur in einer Gruppe sitze, wo es ständig geräuspert wird und wo sich die Ungeduld von den anderen überträgt, dann kann es auch schädlich sein.
00:33:19: Aber wenn man jetzt an einem Platz meditiert, wie zum Beispiel am Kloster Eberbach, also für mich hat die Meditation angefangen, wenn ich am Parkplatz ausgestiegen bin.
00:33:28: Weil die Ruhe von den vielen Jahrhunderten,
00:33:32: die da praktiziert wurde, die liegt in diesem Tal.
00:33:35: Und das stelle ich auch fest.
00:33:37: Ich mache Seminare im Benediktushof.
00:33:39: Und im großen Zendo war jetzt das letzte Seminar.
00:33:43: Ich brauche gar nicht Meditation zu unterrichten.
00:33:46: Der Raum tut das.
00:33:49: Die haben dann da noch einen Zen-Garten.
00:33:51: Man braucht sich einfach nur hinzusetzen.
00:33:53: Und die Stille, die ist so laut.
00:33:57: Ja, man braucht eigentlich nur der Stille, der Präsenz, die da ist, zuzuhören.
00:34:02: Das erfahren auch ganz viele Menschen, wenn sie eine Kirche betreten.
00:34:06: Ja, also auch eine Schülergruppe, die vielleicht vorher draußen nur gegiggelt hat und gelärmt hat,
00:34:12: die spüren, das hat so eine Dichte, so eine Präsenz, diese Atmosphäre.
00:34:16: Und dort einzutauchen, das ist Meditation.
00:34:19: Der Raum erleichtert es, nur dass wir diese Stille auch in uns selbst haben.
00:34:24: Und in den Ozean von Ruhe, den wir aber nicht wahrnehmen, nicht sehen,
00:34:28: weil wir es nicht realisieren aus eigener Kraft heraus,
00:34:30: das sich zu eröffnen, ist eigentlich das Ziel der Meditation aus meiner Sicht.
00:34:35: Um da bei der Gemeinschaft bleiben zu wollen,
00:34:38: was mich letztes Jahr in Deutschland erst erreicht hat, ist das Kirtan-Singen.
00:34:43: Wer in Indien schon mal war oder sich damit beschäftigt hat, auch im Yoga,
00:34:47: das ist eigentlich gemeinsam beten und dadurch auch in Meditation reingelangen,
00:34:52: indem man Mantren immer wieder und immer wieder singt
00:34:56: und das auch fast schon ekstatisch.
00:34:58: Wir hatten auch schon mal in unserem Impuls darüber gesprochen
00:35:00: mit den Hare Krishnas, das ist dann sehr, sehr ekstatisch teilweise.
00:35:03: Aber die Frage soll in die Richtung gehen,
00:35:07: gerade im Hinduismus haben wir verschiedene Gottheiten.
00:35:09: Om Gam Ganapataye Namaha, das ist das Ganesha-Mantra,
00:35:12: das soll den Weg freiräumen.
00:35:14: Shiva hat eine andere Bedeutung.
00:35:16: Kann man da aus rein wissenschaftlicher Sicht
00:35:20: wirklich was bestätigen, dass man auch Mantren ähnlich wie unser Maranatha nutzen kann
00:35:27: und das öffnet uns, komm her.
00:35:28: Wenn man das lange genug sich vorsagt, will ich jetzt mal ganz plopp sagen,
00:35:33: dann ist man vielleicht auch offener.
00:35:34: Ja, also wo ich immer ein bisschen skeptisch bin, ist, wenn irgendwelche Zahlen gesagt werden,
00:35:40: wie viel tausendmal man dieses Mantra wiederholen muss und dann ist man automatisch erlöst.
00:35:45: Das ist, glaube ich, ziemlich großer Unsinn.
00:35:48: Was wichtig ist, was auch empirisch
00:35:49: untersucht worden ist, ist, dass der Klang eine Rolle
00:35:51: spielt. Maranatha,
00:35:54: das geht runter
00:35:55: wie Butter, sage ich mal.
00:35:56: Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort
00:35:59: Akzeptanz.
00:36:00: Akzeptanz ist eigentlich eine sehr schöne
00:36:03: Qualität, kann ich als Mantra
00:36:05: vollkommen vergessen.
00:36:06: Annehmen,
00:36:08: annehmen,
00:36:10: sagt das sehr ähnliche aus,
00:36:12: das ist auch eine meiner Lieblingsmeditationen,
00:36:15: kann ich wunderbar als Mantra benutzen.
00:36:17: Es gibt dazu empirische Untersuchungen mit sinnlosen Silben tatsächlich,
00:36:20: wo die Psychologen Leute aufgefordert haben, einfach Wörter zu wiederholen
00:36:25: und zu gucken, ob das als Meditation wirkt.
00:36:27: Und wer da gewonnen hat, das ist von Patricia Carrington eine Studie,
00:36:31: schon älter aus den 80er Jahren und tatsächlich das bestgeeignete Wort,
00:36:36: was dabei herauskommt, war LOM, L-O-M, wo das OM drin steckt.
00:36:42: Es gibt auf der anderen Seite das Wort, was überhaupt nicht funktioniert,
00:36:46: das wird auch jeder sofort nachvollziehen können,
00:36:48: das war Krik, K-R-I-K.
00:36:51: Also wenn man sich hinsetzt und seinen Geist mit Krik, Krik, Krik,
00:36:55: ich will schon fast sagen malträtiert,
00:36:58: da kann man sich gut vorstellen,
00:37:00: dass das überhaupt keine entspannende Wirkung hat,
00:37:02: sondern eher so wie den Sprung in der Platte
00:37:04: oder eine Störung im Schaltkreis wirkt.
00:37:07: Also der Klang macht einen Unterschied.
00:37:09: Das Om und das Amen sind auch eng verbunden.
00:37:13: Also wer es nicht kennt, Nada Brahma, Die Welt ist Klang von Joachim-Ernst Berendt.
00:37:17: Ein wunderschönes Hörspielfeature kann ich nur dringendst empfehlen, sich das mal anzuhören.
00:37:22: Ja, also Klang ist wichtig.
00:37:25: Es ist auch nicht nur das reine Wiederholen des Mantras.
00:37:28: Also wir können natürlich auch das im Hirn sehen, weil auch wenn ich die Lippen nicht bewege, ist es eine Sprachproduktion.
00:37:35: Und die führt dazu, dass ich, wenn ich jetzt Rechtshänder bin, Linkshemisphäre, Sprachproduktion, Broca-Areal aktiviere.
00:37:43: Also es gibt doch einen Unterschied zwischen diesem stillen Wiederholen des Mantras, wo man auch nach der Zeit lang nur noch den Klang hört, nicht mehr die Bedeutung und dann sich diesem aber gemeinten, größeren, was hinter dem Mantra steht, sich öffnen.
00:38:03: Also das ist ein Prozess, es ist auch nicht so ein mechanisches Repetieren, vielleicht auch nur mit Rosenkranz oder Mala, wo es darum geht, möglichst viele Runden zu drehen. Es darf keine Routine sein, sondern es ist ein Tiefes, sich einlassen, wo das Mantra einen immer tiefer trägt.
00:38:22: Es ist noch ein qualitativer Unterschied, was Sie erwähnt haben beim Kirtan singen, wo ich das in der Gruppe mache, wo es auch, ich kenne das auch selbst, manchmal auch so ein bisschen eine Trance-artige Glücksverschmelzungsgeschichte, das ist nicht so mein Ding, ehrlich gesagt, das in der Gruppe aufzulösen, das hat für mich auch manchmal was von Massentrance, das zu machen.
00:38:45: Aber singen im Chor, natürlich hat das ganz klar öffnende, befreiende Wirkung, war ja auch in allen spirituellen Traditionen, auch im christlichen, gregorianische Gesänge. Wenn man das hört, dann öffnet einen das.
00:38:59: Es gibt eine sehr schöne Anekdote, die ich euch an der Stelle erzählen kann, wo so ein westlicher Wissenschaftler, ein Yogi, der das Mantra in höchsten Tönen lobt, dass es so eine tolle Wirkung hat, öffnet und der Wissenschaftler, wie soll denn ein einfacher Satz so eine Wirkung haben, wie sie sagen, der Yogi zögerte kurz, Sie sind ja vielleicht ein Hornochse, woraufhin der an die Decke ging und dann der Yogi sagt,
00:39:27: Sehen Sie, so ein einfaches Wort hat doch eine ganz starke emotionale Wirkung.
00:39:30: Fand ich sehr schön zur Illustration, dass Wörter doch tatsächlich
00:39:35: oder Wörter doch eine ganz starke emotionale Wirkung entfalten können,
00:39:39: wenn man sie entsprechend in einen Resonanzraum bringt.
00:39:43: Ich glaube, das ist auch noch etwas, was wir den Zuhörern mitgeben müssen,
00:39:47: die vielleicht es versuchen wollen, mal mit Meditation,
00:39:50: dass der Klang wahrscheinlich wichtiger ist als die Bedeutung,
00:39:53: auch wenn man es innerlich spricht.
00:39:55: Es wird ja immer mehr von einem Sprechen zu einem Hören und wenn man spricht, ist man wahrscheinlich, ich bin kein Psychologe, aber erwarte Widerspruch vielleicht,
00:40:04: wenn man spricht, ist man vielleicht auch noch mehr mit Gedanken dabei zu verarbeiten, was dieses Wort bedeutet.
00:40:10: Aber es ist ja letztlich eine Haltung, die ich mit dem Wort Ausdruck bringe, so gehe ich rein in die Meditation und dann hat es Veränderungen,
00:40:21: die ich wahrscheinlich als Meditierender oft gar nicht erklären kann.
00:40:25: Ja, und es hat auch so eine Erweiterung.
00:40:28: Am Anfang, wenn ich es wiederhole, ist es ja ein Fokuspunkt,
00:40:32: ein sprachliches Objekt oder eine Figur, die ich reproduziere.
00:40:35: Und dann, durch die Wiederholung, wird es sozusagen weiter und umfassender.
00:40:40: Und es füllt die inneren Räume aus, die Bewusstseinsräume.
00:40:45: Nur noch dieses Mantra wird zu einem Schwingen.
00:40:49: Oft wird es auch im Rhythmus der Atmung verbunden.
00:40:52: Das heißt, auch der Organismus atmet sozusagen das Mantra.
00:40:57: Und es gibt auch Mantra, gerade im Yoga, das So'ham zum Beispiel,
00:41:01: wo gesagt wird, So'ham ist eigentlich der Klang, der die ganze Zeit da ist beim Atmen.
00:41:07: Also So'ham ist eigentlich nur eine Intonation dessen, was ich höre, wenn ich meinem Atem lausche.
00:41:17: Also dieses Rezeptive und nicht so mit zusammengebissenen Zähnen
00:41:21: das Mantra festhalten und sich da dran klammern,
00:41:24: das ist eine völlig andere Art des Praktizierens.
00:41:28: Deswegen ist es wichtig, das auch richtig anzuleiten.
00:41:30: Jetzt habe ich auch teilweise Retreats mitgestalten dürfen.
00:41:35: Und da hat man dann einfach so mit den Jahren immer mal wieder einen Tipp bekommen.
00:41:40: Jetzt habe ich einen Tipp, das nenne ich fast meinen Insider-Tipp.
00:41:43: Jetzt bin ich gespannt, was ein Profi, wie Sie dazu sagt,
00:41:46: Wenn es gar nicht funktioniert oder wenn man zu sehr abgelenkt ist,
00:41:49: habe ich immer empfohlen, dass man die Augen,
00:41:51: ein drittes Auge, geschlossen zur Stirn guckt.
00:41:54: Ich will es jetzt nicht zu spirituell nennen,
00:41:56: aber ich habe gesagt, guck einfach mit beiden Augen
00:41:58: so ein bisschen nach oben schielend.
00:41:59: Und ich merke das auch bei mir selber und beobachte es mir,
00:42:01: bei mir selber, das hilft mir.
00:42:03: Ist das kompletter Spuk?
00:42:05: Und das vielleicht noch weiterführend,
00:42:07: es gibt Mudras, es gibt Beten, Händefalten.
00:42:09: Bringen solche, von außen würde ich fast sagen,
00:42:13: solche Mittel was?
00:42:13: Oder ist das kompletter Humbug?
00:42:15: Das ist lustig, dass Sie die Frage gerade jetzt stellen,
00:42:18: weil ich hatte letzte Woche genau diese Frage
00:42:20: in einem Kurs, den ich betreue,
00:42:23: in einem Programm, wo die Teilnehmerin sagte,
00:42:26: sie macht das spontan von sich aus.
00:42:29: Und sie merkt, dass das eine sehr starke,
00:42:31: beruhigende Wirkung hat.
00:42:32: Und wie kann das denn sein?
00:42:35: Und daraufhin habe ich es wirklich jetzt
00:42:37: vor ein paar Tagen innerhalb der letzten Woche passiert,
00:42:40: habe ich dann natürlich heutzutage,
00:42:42: was macht man, fragt die KI danach,
00:42:45: ob es da für eine Erklärung gibt.
00:42:46: Ich kannte das selbst aus meiner Yoga-Lehrerausbildung
00:42:48: schon als eine Technik, die ich bewusst anwende.
00:42:50: Und ich fand das immer schon sehr spannend,
00:42:53: weil die Augen sind polarisiert.
00:42:56: Also hinten negativ, vorne positiv.
00:42:58: Und jede Augenbewegung und Drehung
00:43:00: verändert komplett die Gleichstrompotential-Landschaft
00:43:04: vorne im Stirnbereich.
00:43:09: Deswegen kann man wunderbar jede Augenbewegung sehen
00:43:12: Im EOG, Elektrookulogramm.
00:43:15: Da werden Elektroden befestigt und wenn man die Augen bewegt,
00:43:19: sieht man sofort sehr starke Reaktionen, weil das wie eine Batterie ist.
00:43:22: Wenn die Augen jetzt nach innen gedreht werden,
00:43:25: hängt das damit zusammen, dass die Blickrichtung
00:43:27: und damit auch die Aufmerksamkeitslenkung verändert wird
00:43:31: und auch mehr im Sinne einer Innenschau.
00:43:33: Dass sich jetzt ein drittes Auge befindet,
00:43:36: das wird niemand erwarten, so wie es manchmal dargestellt ist,
00:43:40: als Punkt auf der Stirn und trotzdem kann man in der Meditation manchmal erfahren,
00:43:46: man spricht auch davon, vor dem geistigen Auge oder mit dem geistigen Auge etwas zu erkennen.
00:43:51: Und ich selbst kenne das auch sehr gut aus tieferen Meditationserfahrungen,
00:43:56: dass ich innerlich diesen Projektionsapparat des Sehens, sage ich mal,
00:44:02: ohne dass da äußerlich ich sehe, verwenden kann, um auszurichten.
00:44:07: Ich bin jemand mit einer sehr hohen Absorptionsfähigkeit und ich sehe sehr viel, ich denke sehr viel in Bildern und sehe diese Bilder innerlich vor meinem geistigen Auge und zwar zu einem Ausmaß, dass wenn ich beim Autofahren nachdenke, ich nicht mehr die Straße sehe, sondern meine inneren Bilder.
00:44:28: etwas zu dicht drankommt
00:44:30: oder ein Rotlicht bremsen
00:44:33: signalisiert und schwupp, dann kann ich das
00:44:34: richtig gehen in meinem Bewusstsein beobachten,
00:44:36: wie auf einmal das Sehen
00:44:39: wieder die Außenwelt abbildet,
00:44:40: weil jetzt es nötig ist, auf die Bremse zu drücken.
00:44:42: Aber dieses
00:44:44: innere Regulieren, dieses
00:44:46: geistige Sehen, das ist nicht nur
00:44:48: ein Spruch, sondern das ist etwas, was physisch
00:44:50: oder auch physiologisch
00:44:52: möglich ist, einfach weil unser Gehirn
00:44:54: die Außenreize nicht braucht.
00:44:56: Das wissen wir alle vom Träumen.
00:44:58: Und auch Menschen, die einen Retreat besucht haben, wissen auch, dass nach einigen Tagen der sensorischen Deprivation, so nennt man es in der Wissenschaft, also des Zurückziehens der Sinne von der Außenwelt, würde man es im Yoga sagen, ich sitze in Stille, ich bewege mich nicht, ich sehe nichts, habe die Augen zu.
00:45:18: Unser Gehirn kriegt nichts, ein Input von außen. Dann sinken die Reizschwellen kontinuierlich und es kommen auf einmal innere Bilder. Und zwar manchmal mit einer sehr hohen Prägnanz und Intensität. Ich sage so ganz gern so 4K oder 8K in Kopfkino.
00:45:37: Und dann ist es aber auch wichtig, dass ich verstehe, wie ich mit diesen Bildern umgehe.
00:45:40: Das können auch schreckliche Bilder sein, das können sehr tiefe Erinnerungen aus der Vergangenheit sein,
00:45:45: oft auch Sachen, wo ich denke, das habe ich doch längst vergessen.
00:45:47: Aber diese Bilder haben sich in uns eingeprägt und beim Meditieren wird diese Schwelle des Verdrängten durchlässiger
00:45:55: und dann steigen die Dinge auf.
00:45:57: Die werden nicht durch die Meditation gemacht, die Meditation ermöglicht uns den Zugang dazu.
00:46:03: Und das ist wichtig, dass man sich dessen bewusst ist und eben nicht mit der Idee in so einen Retreat geht, das wird ein Spaziergang oder ein Wellnessurlaub, das ist intensive Arbeit am Selbst, weil ich habe keine Möglichkeit, mich abzulenken.
00:46:16: Das heißt, ich bin mit mir selbst konfrontiert, öffne meine Innenwelt und das ist eben manchmal auch die Büchse der Pandora oder ich sage ganz gern, man räumt den Keller auf und da liegen eben ein paar Leichen rum, so unabgeschlossene Dinge, die man ganz gerne verdrängt hat, weil sie schmerzhaft waren, vielleicht Beziehungsabbrüche oder so Sachen oder andere Verletzungen, die wieder körperlich spürbar werden, die gefühlt werden können, die als Bilder aufsteigen können.
00:46:43: Das ist kein Fehler, sondern das ist der Sinn der Meditation,
00:46:47: durch diesen inneren Klärungsprozess zu gehen,
00:46:49: weil das ist im Grunde aus meiner Logik die zweite Stufe der Selbstklärung,
00:46:54: Selbstreflexion, Selbstklärung.
00:46:56: Am Anfang mache ich Selbstregulation, ich lerne das kleine ABC,
00:46:59: oder einmal eins der Selbstregulation, nehme mein Körper wahr.
00:47:03: Das ist auch sehr wichtig, da eine gute Basis zu haben.
00:47:05: Der Körper ist der Tempel der Seele, dort zu Hause zu sein
00:47:09: und nicht so abgeschlossen verkopft.
00:47:12: dann lerne ich mich zu entspannen und zu konzentrieren.
00:47:14: Und wenn ich das nicht habe, sollte ich erst gar nicht in diesen nächsten Bereich gehen,
00:47:17: weil da kann es sein, dass mich die Gefühle überwältigen.
00:47:20: Und wenn ich das merke, kann ich zurückdrehen und sagen,
00:47:24: okay, jetzt mache ich die Büchse mal wieder ein bisschen zu,
00:47:26: oder ich merke, ich fange an zu hyperventilieren, ich komme in Panik,
00:47:30: dann ist es besser, ich habe ein Entspannungsverfahren an der Hand,
00:47:34: wie so ein Köcher an Werkzeugen.
00:47:35: Das heißt, dann gehe ich in diese zweite Phase, wo es manchmal auch stürmisch werden kann,
00:47:40: wo ich meine innere Seele kläre.
00:47:42: Ich sehe das auch gern so ein bisschen wie beim Fasten.
00:47:45: Ich futter nichts rein und dann fängt der Körper an,
00:47:48: Autophagie, die Zellen aufzuräumen, Hausputz zu machen.
00:47:52: Und das macht die Seele auch bei der Meditation,
00:47:54: wenn wir in so eine Art geistiges Fasten,
00:47:56: das ist ja auch ein Begriff, hineingehen.
00:47:59: Und dann gibt es aber noch eine tiefere Ebene von Meditation.
00:48:03: Und da kommen wir wirklich in den Kern der Spiritualität.
00:48:07: Das Erste ist eigentlich ein mentales Training.
00:48:09: Das zweite ist so ein psychologischer Selbstführungsprozess und die wirkliche Spiritualität fängt da an, wo das Ich in den Hintergrund tritt und wo ich auch nicht mehr mache.
00:48:18: Und wo wir auch heute wissenschaftlich sagen können, es ist eigentlich so eine letzte fundamentale Konzeption, die wir einprogrammiert haben oder die wir uns angelernt haben, hier bin ich und da ist die Welt.
00:48:30: Und das sind zwei separate Entitäten, die interagieren und der Kern der Mystik heißt, alles ist eins. Diese Trennung ist eine Illusion, die ist nützlich, um Ordnung zu halten im Alltag, aber die Realität ist eine andere.
00:48:48: Also es gibt einen Urgrund des Seins, aus dem heraus sich alles manifestiert
00:48:52: und den zu erkennen, darum geht es in der Meditation.
00:48:55: Also Gottes Auge schaut durch mein Auge, Meister Eckhart.
00:49:00: Und da sind die Traditionen, weil es da vorhin so geht,
00:49:03: was macht das Yoga, was macht Buddhismus, Christus.
00:49:05: Ich glaube, die Mystiker würden sich gar nicht so viel streiten über Konzepte,
00:49:09: sondern die würden sagen, wie gelange ich zu dieser Erfahrung,
00:49:12: dieses Einen, aus dem alles andere hervorgeht.
00:49:17: Das kann man Gott nennen, das kann man Brahman nennen oder was auch immer.
00:49:19: Das Entscheidende ist, und das hat mich damals am Yoga fasziniert, die Aussage, es ist nicht eine Theorie, es ist erkennbar und es gibt eine Methodik.
00:49:27: Und heutzutage, was damals, als ich damit angefangen habe, eben noch sehr zerstückelt und verteilt war,
00:49:34: haben wir aus der wissenschaftlichen Sicht ein komplettes Bild davon,
00:49:39: der Mechanismen in der Physiologie, in der Psychologie
00:49:42: und auch in der Erkenntnistheorie,
00:49:45: dass unser Geist quasi eine Welt und ein Selbst kreiert
00:49:50: und wie plastisch das ist, wie formbar das ist
00:49:54: durch die Methoden der Meditation,
00:49:56: meine bevorzugten Methoden, es gibt noch andere,
00:49:58: wie psychedelische Substanzen und so weiter,
00:50:01: die sind momentan auch sehr nützlich für die Forschung,
00:50:04: weil da können wir sehen, was passiert im Gehirn.
00:50:07: Also das ist so ein bisschen das Gesamtbild, wo diese einzelnen Stufen aneinandergreifen,
00:50:13: wo ich sage, heutzutage jeder, der das will, sich auf diesen Weg der Selbsterforschung
00:50:19: und tiefen Selbsterkenntnis zu machen, und der verstehen will, was er tut.
00:50:23: Und das ist eigentlich so mein wichtigstes Credo, Meditation verstehen und anwenden.
00:50:30: Und zwar in dieser Reihenfolge.
00:50:31: Also erstmal, weil ich habe oft das Gefühl, denn sie wissen nicht, was sie tun.
00:50:37: weil es kommen Leute zu uns in die Beratung, die sagen,
00:50:40: ich habe keine Ahnung von Meditation, auch nicht von Buddhismus,
00:50:43: aber ich melde mich zu so 10 Tage Vipassana-Retreat an.
00:50:46: Kostet nichts oder wenig und ein anderer hat es mir empfohlen,
00:50:50: dann probiere ich doch mal aus.
00:50:51: Die aber nicht die Voraussetzungen haben, nicht die psychische Stabilität,
00:50:55: nicht die Möglichkeit, das einzuordnen, einfach nicht die Reife haben
00:50:58: oder ein bisschen flapsig gesagt, man sollte erst mal ein gut integriertes,
00:51:02: bewusstes Ich entwickelt haben, bevor man sich dran macht, das aufzulösen,
00:51:06: um in diese spirituellen Erfahrungsbereiche vorzustoßen.
00:51:09: Also insbesondere Vipassana, das ist wahrscheinlich eher so die letztere Instanz,
00:51:13: die ich jetzt besuchen und empfehlen würde.
00:51:15: Da gibt es zu Beginn mit Sicherheit einiges andere, was wir auch gerne anbieten.
00:51:18: An der Stelle, ich glaube, da spreche ich für dich, Marcus,
00:51:20: sollten wir wirklich mal darüber reden, ob Sie nicht bei uns auch mal einen Kurs geben wollen.
00:51:24: Ja, ich finde es auch wichtig, im Christlichen zum Beispiel, dass es eingebettet ist.
00:51:30: Dass man nicht alleine ist. Alleine sein ist ein großer Risikofaktor.
00:51:34: Nicht, wenn man denkt, ich mache jetzt nach dem Abi meine Weltreise
00:51:37: und dann bin ich alleine unterwegs als Backpacker
00:51:40: und mache auch zehn Tage im Vipassana-Kurs in was weiß ich, Thailand.
00:51:44: Weil dann habe ich kein soziales Netz, um meine Erfahrungen auszutauschen.
00:51:48: Ich habe eine Sprachbarriere zu den Leuten.
00:51:50: Ich habe überhaupt keinen kulturellen Kontext, um das einzubinden, was ich da erlebe.
00:51:55: Das ist ein wichtiger Hinweis, weil Vipassana ist dann noch empfehlenswert, ehrlicherweise.
00:52:00: Weil ich war in Nepal auf einem Retreat mit einer mexikanischen Gruppe
00:52:03: und dann hatten die alle so drei Punkte
00:52:05: auf dem Oberarm und dann haben die mir erklärt,
00:52:07: dass es Ochsengift sei, was sie sich
00:52:09: zuführen würden, um da
00:52:11: bessere in die Meditation reinzukommen.
00:52:13: Andere Leute aus dem Freundeskreis,
00:52:15: ich habe lange in Berlin gewohnt, da kam das vor
00:52:17: so 10, 15 Jahren auf mit
00:52:19: Ayahuasca, das ist dann auch eine
00:52:20: Wurzelsaft, glaube ich, von einem Baum, wenn ich
00:52:23: recht informiert bin oder sowas in der Art,
00:52:24: das nimmt man zu sich und das kommt aus den
00:52:27: indigenen Völkern, die gar nicht ihre Götter
00:52:29: sich in den Tempel
00:52:31: holen und willkommen heißen.
00:52:33: Was halten Sie davon und ist sowas, also jetzt ratsam will ich mich natürlich klar von distanzieren,
00:52:39: aber gerade auf dem Hinblick für diesen Kontext, bei diesen indigenen Völkern,
00:52:45: da scheint das ja schon irgendwas mit denen zu machen.
00:52:47: Ja, das sind psychologische Techniken, um tiefer zu dieser spirituellen Ebene vorzudringen,
00:52:54: weil sie damit bestimmte Neurotransmittersysteme im Gehirn, die wir auch sehr gut kennen inzwischen,
00:52:59: Stimulieren die dieses normale mentale Weltwirklichkeitskonstruktionsmodell,
00:53:06: was wir da im Kopf haben, auflösen auf der neurochemischen Ebene
00:53:09: und dann neue Erkenntnisse ermöglichen.
00:53:11: Damit sollte man aber halt nicht spielen.
00:53:13: Es ist nicht umsonst so, dass diese tiefsten Meditationstechniken,
00:53:17: die man heute mit ein paar Mausklicks im Internet sich beibringen kann,
00:53:20: das ist auch ein Risikofaktor,
00:53:22: die sollte man nicht unvorbereitet machen.
00:53:28: Wir profitieren momentan sehr in der Forschung davon,
00:53:31: dass die Forschung Psilocybin zu Ayahuasca, zu LSD wieder freier geworden ist.
00:53:39: Auch die klinische Forschung.
00:53:41: Weil man kann da zum Beispiel schwerdepressiven Patienten helfen.
00:53:44: Das wird auch in Deutschland beforscht,
00:53:46: am Zentralinstitut für seelische Gesundheit.
00:53:48: Da gibt es sehr schöne Vorträge, auch von deren Leitern dort,
00:53:52: der sagt, in zehn Jahren ist das Regelversorgung,
00:53:54: weil die Effekte sind so positiv und so stark.
00:53:56: wenn es gut eingebettet in einem therapeutischen Rahmen benutzt wird,
00:54:01: damit die Leute mal kurzzeitig aus ihrem sehr starren Ich-Bild, Selbstbild,
00:54:05: was negativ getönt ist, rauskommen.
00:54:07: Das kann sehr heilsam sein, aber eben eingebunden.
00:54:10: Es gibt inzwischen auch schon Forschung, Pionierforschung,
00:54:15: vor allem in der Schweiz, die da liberalere Gesetzgebung haben,
00:54:18: wo es einen Zen-Retreat gibt über fünf Tage, ganz streng nach Vorschrift,
00:54:23: Zen-Praxis, 25 Minuten sitzen, 12 Minuten gehen und so weiter.
00:54:26: Das ist im Felsentor, es gibt auch schon einen Film dazu und Bericht im Internet,
00:54:30: wo dann einen Teil der teilnehmenden Psilocybin verabreicht bekommen hat,
00:54:35: um zu gucken, wie tut das die Meditationstiefe verändern.
00:54:39: Es macht viel tiefere Meditationserfahrungen, auch spirituelle Erfahrungen.
00:54:43: Und auch, wie wirken sich diese tiefen, spirituellen, mystischen Einheitserfahrungen aus,
00:54:49: zum Beispiel auf prosoziales Verhalten langfristig, also auch nach.
00:54:53: Nicht nur die akute Erfahrung während des Retreats, die sehr intensiv ist,
00:54:58: sondern auch wie wirkt sich das dann auf das Selbstverständnis,
00:55:01: auf das prosoziale Verhalten zu anderen Menschen.
00:55:03: Und da sieht man, das hat sehr starke Auswirkungen.
00:55:05: Man kann es sinnvoll benutzen.
00:55:07: Ich kenne auch eine ganze Menge Leute, die haben erst eine Drogerfahrung gemacht
00:55:10: und haben dann gesagt, jetzt will ich Meditation lernen.
00:55:12: Ich will da gerne hin, ich habe hier nicht in den Frauen geschaut,
00:55:15: aber ich will es aus eigener Kraft schaffen.
00:55:17: Also an der Stelle möchte ich jedem einfach mal empfehlen,
00:55:20: Es gibt auch einschlägige Filme über Ayahuasca.
00:55:23: Wer damit echt mal überlegt,
00:55:26: der sollte sich diese körperlichen Reaktionen von diesem Saft erst mal,
00:55:29: da kommt es überall raus und man geht durch die Hölle.
00:55:33: Das habe ich mir sagen lassen.
00:55:34: Und ich habe es auch in Berichten schon gelesen und gesehen.
00:55:37: Ja, und wenn man so will, ist ja die Drogenerfahrung auch das,
00:55:40: was im Burnout passiert.
00:55:41: Da war die Arbeit eben zu viel.
00:55:43: Und das ist auch gefährlich.
00:55:44: Ist vielleicht nicht so direkt vergleichbar.
00:55:46: Es sind auch ein bisschen andere Drogen, die da noch vorgespielen,
00:55:49: Und die Drogen kriegen wir nicht.
00:55:51: Also wir versuchen ja auch die Meditation in der Academie Kloster Eberbach
00:55:54: mit dem Alltag zu verbinden, wo man nicht erst aussteigen muss.
00:55:57: Ich finde das unglaublich wichtig, dass man auch auf diese Gefahren hinweist.
00:56:00: Die Frage ist natürlich auch das Gemeinschaftserlebnis.
00:56:06: Deswegen bieten wir es ja auch in unseren Gruppen immer an
00:56:08: und empfehlen einmal in der Woche mit der Gruppe zu meditieren,
00:56:12: ansonsten selber regelmäßig.
00:56:13: Aber die ganz klare Frage, die ich an den Psychologen habe, ist,
00:56:19: Wenn man regelmäßig einmal bis zweimal am Tag meditiert
00:56:25: oder was immer man regelmäßig in seine tägliche Praxis integrieren kann
00:56:30: und dann in solche Gruppen geht, das ist nicht gefährlich?
00:56:36: Oder gibt es da auch Gefahren?
00:56:38: Wenn das eine Gruppe ist, die zusammen praktiziert,
00:56:43: die eine gute Atmosphäre hat, wo nicht irgendwie eine Hierarchie ist,
00:56:47: Also Gurus finde ich relativ gefährlich, wo so idealisierte Personen auftauchen,
00:56:53: wo auch ein Machtgefälle ist, wo ich auch, also ich sage immer, wenn man den Eindruck hat,
00:56:58: die Schüler sind dafür da, den Guru zu bestätigen, dann ist es eine schlechte Konstellation.
00:57:04: Der Lehrer ist dafür da, dass die Schüler auf dem Weg vorankommen.
00:57:07: Ja, und das sieht man leider, dass da immer noch so Guru-Kulte, da gibt es immer so Wellen,
00:57:12: Maharishi war so eine Figur, Osho auch, oder Bhagwan Shree Rajneesh reicht nicht jetzt,
00:57:17: wenn man momentan den Sadhguru, den man nicht entgehen kann,
00:57:19: wenn man sich irgendwie zur Meditation sich im YouTube bewegt,
00:57:23: die machen total gute Sachen,
00:57:25: aber zum Teil gibt es dort nicht so eine gewachsene,
00:57:29: eingebettete Struktur und Kultur.
00:57:31: Und deswegen finde ich,
00:57:33: normalerweise haben Gruppen einen starken förderlichen Effekt.
00:57:36: Die soziale Einbindung ist wichtig, der Austausch ist wichtig.
00:57:39: Das ist in den guten Einführungskursen auch Teil des Konzepts.
00:57:44: Wenn ich erst mal erlerne zu meditieren, das ist dann Teil des Konzepts,
00:57:49: zum Beispiel bei MBSR, dass ich die Erfahrung, die ich in der Meditation mache,
00:57:55: weil ich auch die Fehlentwicklungen kommuniziere und vom kompetenten Lehrenden
00:58:00: darauf hingewiesen werde, wie ich das vielleicht von der Haltung her ändern soll.
00:58:04: Also eine Gruppe an sich ist nicht gefährlich.
00:58:07: Es gibt allerdings so Gruppen, die einen Kultcharakter haben,
00:58:10: die auch oft mit einer finanziellen Ausbeutung einhergehen,
00:58:13: Machtstrukturen sind und da
00:58:15: sollte man sehr aufpassen, dass man da nicht an die
00:58:17: falschen gerät.
00:58:18: Ich hoffe, dass wir das richtig,
00:58:21: also ich denke, dass wir das richtig machen
00:58:23: und wir sagen ja auch immer, wir haben
00:58:25: im Zweifel auch einen Seelsorger dahinter.
00:58:27: Genau. Egal jetzt von welcher
00:58:29: Konfession, an den man sich wenden
00:58:31: kann. Das ist ein ganz wichtiger Punkt
00:58:33: und das ist auch, finde ich, ein Qualitätsmerkmal.
00:58:35: Zum Beispiel beim Benediktushof
00:58:37: ist es so, wenn
00:58:39: intensive Sessions, also diese
00:58:41: Retreats von Zen angeboten werden, dass da zwei psychologische Begleiterinnen und Betreuer sind,
00:58:46: die jederzeit als Ansprechpartner fungieren können, wenn es Probleme gibt.
00:58:51: Also auch so eine Art Notfallplan zu haben.
00:58:54: Wir haben das explizit jetzt auch für ein neues Buch, was erscheint nächstes Jahr,
00:58:58: ein Wegweiser Meditation, haben wir eine Befragung am Meditationszentrum geschickt.
00:59:01: Wisst ihr, wie ihr mit psychischen Krisen umgeht?
00:59:05: Was macht ihr im Vorfeld als Screening?
00:59:08: Also kennt ihr die Leute, die ihr zulasst?
00:59:11: Fragt ihr, wie es mit ihrer psychischen Gesundheit besteht?
00:59:15: Lasst ihr euch einen Notfallkontakt angeben?
00:59:17: Wenn sie in eine Schieflage geraten, wen können wir anrufen?
00:59:20: Oder haben sie Telefonnummern von Psychotherapeuten oder Psychiatern vor Ort,
00:59:24: die dann eingreifen können?
00:59:26: Dass diese Fürsorge dafür, dass manche Menschen,
00:59:29: die instabil sind durch Meditation, weiter destabilisiert werden,
00:59:32: könnten durch diese fortgeschrittenen Techniken das auf dem Schirm zu haben,
00:59:37: Da sind wir sehr dahinterher, weil wir beraten ja Leute, die in Schieflage geraten und das sind viele.
00:59:43: Die sind auch sehr dankbar, dass es unsere Beratungsstelle gibt.
00:59:46: Aber ich denke oft, wenn die Leute sich vorher gut informiert hätten und vorbereitet hätten
00:59:51: und nicht gleich eingestiegen wären in der Champions League,
00:59:54: sondern erst mal im lokalen Fußballverein gespielt hätten und sich langsam dahin bewegt hätten,
00:59:59: dann wäre das nicht passiert.
01:00:00: Oder wenn eben die Anbieter auch eine Sicherheit machen bei der Auswahl der Leute
01:00:06: und bei der Betreuung, dass sie vor Ort sind, auch bei der Nachsorge,
01:00:10: dass man nicht nach dem Retreat sozusagen zurückentlassen wird in die freie Wildbahn
01:00:16: und dann manchmal einfach im Alltag nicht mehr klarkommt.
01:00:19: Man braucht zwischen dieser intensiven Selbsterfahrung am Ende eines Retreats,
01:00:23: wo man ganz bei sich ist, auch eine Zeit, so wie sich die Schwellen gesenkt haben,
01:00:30: für das tiefe Wahrnehmen, wenn man dann direkt sozusagen aus dem Retreat,
01:00:36: stell dir das vor, du kommst aus dem Mittwochabend,
01:00:39: gehst jetzt nochmal schnell in die Zeil einkaufen.
01:00:42: Ja, das ist eine totale Überflutung, weil du so sensibilisiert und empfänglich bist
01:00:47: für alles, was da ist und dann sind diese Umwelten auch manchmal ein bisschen
01:00:51: sehr herausfordernd, indem wir uns normalerweise bewegen.
01:00:54: Also von der Anregung von Sebastian von eben, dass wir auch mal sowas anbieten,
01:01:00: Sollten etwas ausgedehntere Seminare, da bekommst du dann vielleicht ein bisschen mehr Arbeit, lieber Ulrich.
01:01:06: Aber wenn wir anklopfen dürfen bei dir.
01:01:09: Ich muss sagen, ich habe es noch nicht erlebt.
01:01:11: Ich habe diese Diskussion natürlich in diesen buddhistischen, intensiven Seminaren, ich habe davon gehört.
01:01:19: Aber ich glaube, dass man, wenn man mittwochs bei uns gewesen ist oder wann immer wir die Termine anbieten,
01:01:26: wo ich noch einkaufen gehen kann,
01:01:28: ohne dass nachher das Portemonnaie völlig leer ist.
01:01:30: Das kann ich bestätigen.
01:01:31: Ich war ja selbst oft genug da.
01:01:33: Und das ist sehr gesundend und heilsam und zentrierend.
01:01:38: Und nicht so, dass man da völlig in außerweltlichen Erfahrungen
01:01:42: wegschwebt und nicht mehr alltagstauglich ist.
01:01:44: Nichtsdestotrotz ist es wirklich ein Hinweis,
01:01:47: den ich mir jetzt auch zu Herzen nehme,
01:01:48: psychologische Betreuung bei so Retreats.
01:01:51: Weil wenn ich bei mir eigene Erfahrungen,
01:01:53: also die ersten Tage, ich möchte jetzt nicht sagen,
01:01:55: das Tal der Tränen, aber das kam auch schon vor.
01:01:56: Das sagte Retreat in Nepal
01:01:59: mit den Mexikanern, die weitaus spiritueller
01:02:01: sind, als ich mir bewusst war.
01:02:02: Die ersten Tage waren sehr tränenreich
01:02:05: und sehr geduldsam unter
01:02:07: uns allen, aber das werde ich mitnehmen
01:02:09: und vielleicht von mir noch ein kleiner
01:02:11: Hinweis, ich glaube, ich habe noch niemals
01:02:13: richtig viel Geld bezahlen müssen
01:02:15: für irgendwas an Weisheiten, die ich bekommen
01:02:17: durfte und auch bei uns, gerade
01:02:19: in der Akademie, ich glaube, fünf
01:02:21: Euro, wenn überhaupt und
01:02:22: wir sind dankbar für jede Spende, das muss man an der
01:02:24: Stelle auch sagen, aber wir jagen den 5 Euro
01:02:26: und nicht hinterher. Es geht uns um die Sache
01:02:28: und jedem, den ich im Leben treffen durfte,
01:02:30: der mir auch ein bisschen was mitgeben konnte,
01:02:32: wie dieses Gespräch jetzt auch hier,
01:02:34: hat uns nichts gekostet, Zeit gekostet.
01:02:36: Und das
01:02:38: ist für mich immer auch ein sehr, sehr wichtiges
01:02:40: Indiz gewesen, dass man da nicht in irgendwelche
01:02:42: Sekten reinkommt oder in irgendwelche
01:02:44: komischen anderen Organisationen.
01:02:46: Es ist halt ein riesiger Markt, wo
01:02:48: viel Geld umgesetzt wird. Auch die Apps
01:02:50: zum Beispiel sind ein riesiges Geschäft,
01:02:52: die Smartphone-Apps.
01:02:54: Wir haben Leute in der Beratung, die haben für ein Seminar 2.000 Euro bezahlt für fünf Tage mit 2.000 Teilnehmern.
01:03:03: Da braucht man nur multiplizieren und weiß, um welche Beträge es da geht.
01:03:07: Und das ist schon ein Bereich, wo man genau gucken sollte, wem man sich anvertraut, wie die Qualifikationen aussehen.
01:03:17: Aber genau diese Checklisten, worauf ich achten sollte, was Qualität ist, was die Voraussetzungen,
01:03:22: Das kommt alles im Weg, weil sie in Meditation nächstes Jahr raus.
01:03:26: Es ist ein richtiger Weg,
01:03:28: weil vielleicht auch erstmal nach der richtigen Literatur recherchieren.
01:03:30: Genau, das ist das Erste.
01:03:31: Aber auch da ist es ein Dschungel.
01:03:33: Es gibt 9000 Bücher über Meditation.
01:03:36: Und da auch schon zu wissen für Anfänger,
01:03:39: welche Kurse sind empirisch gut untersucht.
01:03:41: Das ist ein großes Wirrwarr.
01:03:43: Und sich darin zu orientieren, ist nicht leicht.
01:03:46: Und dann kommt man vielleicht an irgendeinen Kurs,
01:03:48: wo man denkt, das hört sich gut an,
01:03:50: weil die auch Werbung mit Wissenschaft machen.
01:03:52: aber es ist eigentlich gar nicht so wissenschaftlich untersucht.
01:03:55: Das heißt, da versuchen wir mit so einem Sachbuch
01:03:58: ein bisschen den Markt zu sondieren
01:03:59: und es den Leuten leichter zu machen.
01:04:01: Ist dann vielleicht der nächste Vortrag
01:04:03: in der Academie Kloster Eberbach.
01:04:04: Da kann ich das, kann ich dir gerne vorstellen.
01:04:06: Weil wir sagen, wir sind eine Transparenzstelle,
01:04:09: die Dinge auch erkenntlich macht
01:04:11: und wo man dann sehen kann,
01:04:13: welchen Weg gehe ich an welcher Gabel.
01:04:16: Sehr geehrter Herr Ott, wir sind hier noch ganz am Anfang.
01:04:19: Wir sind hier noch bei den Einführungsfragen eigentlich.
01:04:22: Nein, wir sind in der Tat, die dritte Frage wäre jetzt eigentlich, wie sieht denn Ihre Routine aus?
01:04:28: Damit würde ich jetzt auch vielleicht noch schon fast schließen wollen.
01:04:30: Die Stunde ist schon drüber, was aber auch nicht bedeutet, dass wir hier das letzte Mal gesprochen haben, hoffe ich.
01:04:36: Weil mir hat es echt viel Spaß gemacht. Aber wir sind noch nicht in der Abmoderation.
01:04:40: Ja, also meine Lieblingsmeditation, muss ich sagen, die ich auch jetzt über die Jahre entwickelt habe,
01:04:47: zum ersten Mal war sie 2018 in Gesund durch Atmen beschrieben.
01:04:52: In Spiritualität für Skeptiker da ganz ausführlich, weil da auch Handhaltungen eine Rolle spielen, das ist die Ruhe-Liebe-Klarheit-Meditation. Das ist sozusagen mein Schweizer Messer, Universalwerkzeug, eigentlich entwickelt für Meditationslehrende, Yogalehrende und auch für psychotherapeutisch tätige Menschen, die, wenn sie jetzt so einen typischen Psychotherapeutenalter kam, 50 Minuten Sitzung, 10 Minuten Pause, bevor der nächste Mensch kommt und ihnen das Herz ausschüttet.
01:05:20: Und da müssen Sie nicht nur den Kopf freikriegen, sondern auch das Herz und den Bauch.
01:05:25: Und ich habe mich gefragt, was sind die Qualitäten, die ein Therapeut oder eine Therapeutin,
01:05:30: auch jemand, der Yoga oder Meditation unterrichtet haben soll, damit ich ihm gerne zuhöre.
01:05:35: Das ist Ruhe und Gelassenheit.
01:05:38: Das ist eine Warmherzigkeit, ein Mitgefühl, eine Offenheit.
01:05:44: Und das ist aber auch eine mentale Klarheit und Präsenz.
01:05:48: Wenn jemand vorne nervös herumzappelt, der mir Meditation bereitbringt, das kann nicht sein. Wenn jemand kalt ist, zynisch, aggressiv, bewertend, will ich auch von ihm nicht unterrichtet werden. Und selbst wenn es ein herzensoffener Mensch ist, der tief in Ruhe ist, aber der kriegt gar nicht mit, was da passiert an psychischen Prozessen, ist es auch nicht gut.
01:06:08: Ich muss klar sehen, was das ist. Und diese drei Qualitäten von Ruhe, Liebe und Klarheit sind für mich nichts, was ich irgendwie trainieren muss, sondern die sind in mir körperlich vorhanden und verankert.
01:06:25: Und für mich liegt die Ruhe einfach im Bauch und in der Bauchatmung hier unten und das verbinde ich dann auch mit so einer Handhaltung, Dhyana-Mudra, wo die Hände so vom Bauch ineinander gelegt sind. Die Hände sind sehr entspannt, neurowissenschaftlich, weil die sind wie Magneten für die Aufmerksamkeit. Da wo meine Hände sind, ist meine Aufmerksamkeit und jeder kennt inzwischen diese Handhaltung.
01:06:46: Die Kanzlerraute.
01:06:49: Und wenn ich das mache, merke ich, ich halte alle Fäden zusammen.
01:06:52: Ich fokussiere mich, ich zentriere mich.
01:06:54: Das ist was ganz anderes, diese Hände ineinander zu legen,
01:06:57: die Daumenspitzen berühren sich.
01:06:59: Und das verbinde ich eben mit dem Bauch, mit der Bauchatmung
01:07:02: und mit dem Ausatmen habe ich drei Begriffe, mit denen ich arbeite.
01:07:06: Das ist die Ruhe, der Frieden und das Loslassen.
01:07:11: Und zwar immer mit dem Ausatmen.
01:07:14: Erst mal so wiederholen, um mich in diese Ruhe zu bringen.
01:07:18: Dann der Frieden.
01:07:20: Sehr interessant ist auch die Reaktion
01:07:22: auf die unterschiedlichen Begriffe.
01:07:23: Ruhe ist mir sowas Vegetatives.
01:07:25: Frieden hat auch eine emotionale.
01:07:27: Im inneren Frieden sein.
01:07:29: Und während ich das wiederhole,
01:07:32: das tue ich so lange, bis ich das Wort, die Qualität
01:07:35: zwischen dem, wo ich es im Kopf, im Geist wiederhole
01:07:38: und dem, was ich im Bauch spüre.
01:07:39: Ich bin die ganze Zeit mit der Aufmerksamkeit auch beim Atmen.
01:07:44: Ich nehme die Ruhe wahr, die im Ausatmen liegt. Ich nehme den Frieden wahr, der in mir ist, weil der Atemrhythmus hat eine viel größere Langsamkeit. Dem kann ich zuhören. Und hier oben der Kopf, der rotiert, der macht, der tut.
01:08:01: Und ich gehe von diesem Macher-Modus in diesen friedlichen Seins-Modus.
01:08:07: Und ganz spannend finde ich auch das Loslassen,
01:08:09: weil obwohl ich ja schon Ruhe und Frieden wiederholt habe,
01:08:13: passiert es mir immer, beim Loslassen fallen die Schultern noch ein Stück.
01:08:18: Und auch Loslassen ist etwas muskulär-körperliches,
01:08:22: es ist auch etwas Emotionales, Loslassen.
01:08:24: Und es ist auch etwas Geistiges, mal den Raum freilassen.
01:08:28: Das heißt, das ist nur die erste Phase dieser Meditation, Ruhe, Frieden, loslassen. Und wenn ich eigentlich das haben wollte, dann kann die Meditation hier auch aufhören. Und die Meditation hat aber noch zwei weitere Stufen.
01:08:40: Wir haben Zeit.
01:08:42: Es geht dann sozusagen eine Etage nach oben von der Bauchatmung in die Brustatmung und da liegt der Fokus auf dem Einatmen.
01:08:50: Und wiederum habe ich drei Begriffe, die ich wiederhole und der erste Begriff ist das Öffnen.
01:08:56: Und wenn ich einatme und spüre, wie sich mein Brustkorb weitet, öffnet, dann passt das zu dem Empfinden.
01:09:04: Das heißt, das Wort, die Qualität und das Weiten gehören zusammen.
01:09:10: Das Nächste, das hatten wir schon angesprochen, ist das Annehmen.
01:09:13: Akzeptieren, um das geht es eigentlich, aber das passt nicht als Mantra.
01:09:17: Das heißt, annehmen, was auch immer da ist.
01:09:22: Die Meditation heißt eigentlich Ruhe, Liebe, Klarheit.
01:09:25: Aber vielleicht ist da keine Liebe gerade, sondern da ist vielleicht Traurigkeit.
01:09:29: Oder eine Sehnsucht.
01:09:31: Oder einfach nur eine Wärme.
01:09:33: Oder eine Innerlichkeit.
01:09:35: Ich suche nach dem Wort, was das Gefühl ausdrückt, was in der Herzregion jetzt präsent ist.
01:09:42: Im Grunde gebe ich meinem Herzen eine Stimme.
01:09:43: Also auf die Stimme des Herzens zu hören ist ja auch so eine Redewendung.
01:09:47: Und die Erfahrung ist, und das habe ich jetzt in vielen Seminaren so gesehen,
01:09:52: wenn ich das Wort finde, was das Gefühl ausdrückt, ist es wie ein Schlüssel im Schloss
01:09:58: und auf einmal bin ich in meinem Herzen und mein Geist ist im Herzen verbunden.
01:10:03: Und das kann ich selbst nicht wissen.
01:10:05: Und oft ist es auch so, ich hatte so einen im Seminar,
01:10:08: der hatte einen Trauerfall vor zwei Wochen, wo jemand gestorben ist,
01:10:11: den er sehr gemocht hat, aber er musste es organisieren.
01:10:13: Und er hat bis zu dem Zeitpunkt keine Zeit gehabt, zu trauern.
01:10:18: Und jetzt guckt er, was ist in meinem Herzen?
01:10:22: Und es ist Trauer. Und das ist auch okay.
01:10:26: Es geht um diese Verbundenheit.
01:10:28: Und man kann auch sich jemanden vorstellen, den man sehr liebt,
01:10:31: und dann merkt man sofort, wie einem das Herz aufgeht,
01:10:33: immer so eine unsichtbare Verbindung
01:10:35: aufbaut und dann sind wir bei liebevoller Güte
01:10:37: und das übt auch vielleicht dann
01:10:39: mit Leuten, die man nicht kennt oder sogar mit
01:10:41: seinen Feinden, liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
01:10:43: Also es gibt da ein großes
01:10:45: Übungsfeld in der Herzregion.
01:10:48: Weit offen unser Tor, noch weiter
01:10:51: das Herz, das Motto der
01:10:53: Zisterzienser, da sind wir direkt dort.
01:10:55: Und dann, wenn ich
01:10:57: hier abgeschlossen habe, beziehungsweise
01:10:59: noch einen Punkt vielleicht, man legt die Hände vor
01:11:01: die Brust zusammen, das hatten wir auch schon mal
01:11:03: angesprochen, war für mich
01:11:05: eine Geste, die ich immer sehr abgelehnt habe,
01:11:07: weil für mich war das der Begriff christlicher
01:11:09: Fremdelei, so bitte, lieber Herr,
01:11:11: mach doch, dass sie es passieren möge,
01:11:13: so nach dem Motto, ich kümmere mich
01:11:15: selbst nicht drum, mach du mal.
01:11:16: Deswegen habe ich das nicht gemocht, bis ich dann eine
01:11:19: Yoga-Lehrer-Ausbildung gemacht habe, wo man ständig
01:11:21: dieses Namaste praktiziert und dann
01:11:23: habe ich irgendwann gemerkt, Moment, was mache ich
01:11:25: denn da eigentlich? Und auch das mache ich
01:11:27: in meinen Seminaren immer, dass ich sage,
01:11:29: Leg doch mal die Hände aufeinander und guck, was passiert.
01:11:31: Was dann tatsächlich passiert ist, einerseits zentriert es mich im Herzen,
01:11:36: weil die Rückseite der Daumen liegt auf dem Brustbein.
01:11:39: Das heißt, ich fokussiere die Aufmerksamkeit.
01:11:41: Und dann, wenn man achtet darauf, wie sich die Handflächen berühren,
01:11:45: dann spürt man am Anfang noch rechts und links.
01:11:47: Und dann dauert es so 20, 30 Sekunden nach meiner Erfahrung,
01:11:52: dass es auf einmal eine Hand da vorne ist.
01:11:55: es verschmilzt zu einem Gefühl.
01:11:59: Es ist keine Grenze mehr.
01:12:00: Und wenn das zu einem wird,
01:12:02: dann heißt es, dass die Repräsentationen,
01:12:03: die rechts und links im Hirn sind,
01:12:05: zu einem verschmelzen, sich synchronisieren.
01:12:07: Und das war damit dann für mich wieder eine Erklärung.
01:12:11: Also im Sinne von Meditation ist angewandte Neurowissenschaft.
01:12:16: Und wenn man jetzt im Bauch sich die Ruhe verankert hat,
01:12:20: dann das Herz geöffnet hat,
01:12:22: dann geht es eben in die oberste Etage.
01:12:25: Und auch da habe ich wieder einen Fokuspunkt, nämlich die Atemempfindungen im Naseneingang,
01:12:32: die ständig da sind, aber unbewusst sind, wir atmen die ganze Zeit.
01:12:35: Und die Luft ist unterschiedlich warm, kühler beim Einatmen, wärmer beim Ausatmen.
01:12:43: Und der Luftstrom berührt die Innenseite der Nase, auch die Oberlippe.
01:12:49: Und das ist ein sehr fokussierter Zustand, sehr enger Fokus.
01:12:54: Und wenn ich dann noch die Finger im Chin-Mudra halte,
01:12:58: was viele Rednerinnen und Redner automatisch machen,
01:13:01: wenn sie etwas auf den Punkt bringen wollen.
01:13:03: Wenn ich das mache und den Fokus hier habe,
01:13:07: dann fange ich an, hier meinen geistigen Raum zu spüren.
01:13:10: Und fange an mit Stille.
01:13:14: Mal zum Antrag zu wiederholen, Stille.
01:13:16: Das Schöne ist, ich wiederhole es beim Ausatmen.
01:13:19: Und wenn ich es nicht wiederhole beim Einatmen,
01:13:22: dann höre ich auf die Stille zwischen dem Wort Stille.
01:13:25: Das heißt, es ist eine doppelte Stille.
01:13:27: Und aus der Stille kommt dann, wenn ich merke, jetzt ist die Stille da in meinem geistigen Raum,
01:13:33: gehe ich in den nächsten Begriff und das ist Klarheit.
01:13:37: Das wissen wir alle, wenn es in mir still wird, dann sehe ich auf einmal klar,
01:13:41: wie tief auf den Grund des Sees, die Seele wird geklärt, ich kann tief in mich hineinsehen.
01:13:48: Und der letzte Schritt besteht dann darin, von diesem oberen Raum, geistigen Raum,
01:13:54: mich nach unten zu verbinden, vertikal über das Herz und den Bauch und den Atem,
01:13:59: der ja alle Räume durchströmt, zu spüren gleichzeitig.
01:14:03: Das heißt, das Letzte ist die Einheit, das Einssein.
01:14:07: Und da haben wir diese künstlichen Aufteilungen in Bauch, Herz und Kopfraum.
01:14:12: Ich merke auf einmal, das ist eigentlich ein Raum, ein Sein.
01:14:15: Und ich tauche ganz in dieses eine Sein ein.
01:14:18: Dann öffne ich die Hände, wiederhole nichts mehr
01:14:23: und bleibe in diesem offenen Gewahrsein des Eins, des Einen, noch eine Weile drin.
01:14:30: Das ist dann immer sehr gemein, wenn ich irgendwann sage, jetzt ist die Meditation vorbei.
01:14:34: Weil das viele sehr genießen, diese innere Verbundenheit und Integration.
01:14:40: Es ist eine sehr erdende, sehr körperliche Meditation, um diese Qualitäten zu entwickeln.
01:14:45: Und sie hat auch einen ökonomischen Aspekt, weil wenn ich das wirklich mache,
01:14:49: ich mache das morgens in der Regel, nachdem ich aufwache, noch im Liegenbett geht das wunderbar.
01:14:54: Wenn ich das so tief übe, dann kann ich diese Meditation in fünf Atemzügen machen.
01:14:59: Ich brauche einen Atemzug und bin im Bauch bei der Ruhe.
01:15:04: Ein Atemzug, um das Herz zu öffnen, einen, um den Geist da zu machen,
01:15:12: einen vierten, um alles zu verbinden und einen, um einfach nur zu sein.
01:15:17: Fünf Atemzüge sollte man eigentlich Zeit haben im Alltag,
01:15:22: um zwischendrin mal so diese innere Verankerung wieder herbeizuführen.
01:15:26: Und das war dann auch so ein Fazit, dass ich gemerkt habe,
01:15:30: das kann eigentlich jeder, das können auch Therapeutinnen,
01:15:32: nicht nur Therapeutinnen und Yoga-Lehrende in ihrem Job als Aufgabe,
01:15:37: einfach um gut unterrichten zu können.
01:15:39: Eigentlich wünscht sich jeder in seinem Leben Ruhe, Liebe und Klarheit.
01:15:44: Und meine Erfahrung ist auch tatsächlich, dass Menschen, die noch wenig Erfahrung mit Meditation haben,
01:15:49: weil man hat wirklich was zu tun.
01:15:50: Man hat einen Anker im Bauch, man wiederholt ein Wort mit dem Ausatmen, man guckt, wie es wirkt.
01:15:56: Es ist wie so eine Selbsterforschung, wo die Leute auch als Anfangende sich sehr gut drauf einlassen können
01:16:03: und dann schon merken,
01:16:05: hinterher, wow, ich fühle mich jetzt ganz anders
01:16:08: als vorhin, als ich in die Meditation
01:16:09: reinging. Deswegen ist das
01:16:12: meine Lieblingsmeditation und meine
01:16:13: tägliche Praxis.
01:16:15: Also ich finde das ganz wunderbar.
01:16:17: Vielen Dank, dass wir das so
01:16:19: persönlich hören durften.
01:16:20: Bei Menschen, die nicht meditieren,
01:16:23: löst wahrscheinlich jeder Begriff
01:16:25: und kann ein Gedankenkarussell
01:16:28: auslösen.
01:16:29: Und das kann man, glaube ich, nur überwinden,
01:16:31: indem man es selber tut.
01:16:33: Und ich glaube, das ist unsere gemeinsame Einladung.
01:16:35: Einfach mal probieren, in welcher Form auch immer.
01:16:38: Es gäbe noch so viele Fragen.
01:16:41: Das ist eines der spannendsten Themen der Themenbereiche bei der Vorbereitung,
01:16:46: dass Sie an einem Institut arbeiten, was sich mit Paranormalität auch beschäftigt.
01:16:52: Ich habe noch einen ganz liebevollen Kurznamen für das Institut online gesehen,
01:16:58: aber ich würde sagen, da freue ich mich, diesen Themenblock einfach beim nächsten Podcast
01:17:03: anzusprechen und
01:17:05: mir bleibt jetzt nichts anderes zu sagen als vielen Dank
01:17:08: für Ihre Zeit und
01:17:09: ich freue mich auf noch weitere
01:17:11: Gespräche in dieser Tiefe
01:17:13: und wie gewohnt, ah nein
01:17:16: eine Idee hatte Lukas noch
01:17:17: haben Sie denn einen Ratschlag oder
01:17:19: einen Tipp, wen wir bei uns in dem Podcast
01:17:21: als nächstes als Gast einladen können
01:17:23: der Sie
01:17:26: weitergebracht hat, der
01:17:27: Ihnen einen Anstoß gegeben hat
01:17:29: Ja, Sie könnten natürlich
01:17:32: versuche, den Gert Scobel zu bekommen.
01:17:34: Nicht ganz einfach,
01:17:35: aber Sie können ja sagen, ich habe
01:17:37: es empfohlen.
01:17:38: Wenn wir das dürfen, machen wir das gerne.
01:17:42: Dürfen Sie gerne machen, weil der hat auch
01:17:44: wirklich sehr, sehr viel Erfahrung mit
01:17:45: den verschiedenen, ist auch nicht weit
01:17:48: von hier im Taunus.
01:17:49: Also es wäre schön, wenn Sie ihn kriegen.
01:17:52: Der hat auch sicherlich eine ganze
01:17:54: Menge mediale Aufmerksamkeit,
01:17:55: die dann auch für den Podcast gut tut.
01:17:57: Schön.
01:17:59: Das reicht auch schon, denn wir
01:18:02: sehen uns ja wieder und bis dahin können Sie gerne noch
01:18:04: überlegen, wie wir noch weiteres einladen können.
01:18:05: Mir hat es auf jeden Fall auch viel Spaß
01:18:08: gemacht. Ich denke, das hat man auch gemerkt.
01:18:09: Ich bin gerne da. Ich komme auch gerne wieder.
01:18:12: Dankeschön. Ja, wahrscheinlich bist du ein bisschen
01:18:13: Abstand lassen, aber
01:18:15: prinzipiell stehe ich gerne zur
01:18:18: Verfügung, noch weitere Fragen zu beantworten.
01:18:20: Auch zu den paranormalen Themen, wobei
01:18:22: die nicht so im Fokus meiner Forschung stehen.
01:18:24: Es ist für den Laien, hört sich halt ultra
01:18:25: interessant an. Das muss man so sagen.
01:18:27: Gut, da gibt es auch viel zu erzählen.
01:18:29: lieber Marcus, wie immer gehört dir das letzte Wort.
01:18:32: Ich verabschiede mich an der Stelle und bedanke mich
01:18:34: bei dir, Lukas, bei Ihnen
01:18:35: Herr Dr. Ott und auch bei dir, Marcus.
01:18:37: Ja, danke für das
01:18:39: tolle Gespräch. Wir haben gesehen, welches
01:18:42: Potenzial in der Meditation liegt
01:18:44: und was für eine verbindende Kraft daran liegt.
01:18:48: Ich glaube, auch für die Gesellschaft.
01:18:50: Und wenn Menschen, die meditieren, sich dann in der Gesellschaft engagieren,
01:18:54: sieht die Gesellschaft auch wieder anders aus.
01:18:56: Danke für dein Engagement, lieber Uli.
01:18:58: Danke für das gute Gespräch.
01:19:00: Und wir machen weiter an verschiedenen Fronten.
01:19:03: Aber mit Sicherheit sind wir da offen für viele weitere Gespräche und viele Menschen.
01:19:09: Dankeschön.
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