Wochenimpuls "Gib dem Affen kein Zucker..." von Marcus M. Lübbering – 28.09. - 04.10.2026
Shownotes
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Der Wochenimpuls · Die Stille machen lassen
Was Sie in dieser Folge erwartet
Kann man Frieden eigentlich machen? Die Frage klingt harmlos, bis man sie ernst nimmt. Marcus M. Lübbering nimmt sie ernst, weil er im Gottesdienst ein Lied gesungen hat, das er seit Jahrzehnten kennt, und an einer einzigen Zeile daraus wieder hängen geblieben ist: „Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht."
Er nimmt die Zeile zuerst beim Wort und geht in die Zeit zurück, in der sie entstanden ist: Friedensbewegung, Nachrüstungsdebatte, Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre. Franz Josef Strauß, der auf den Knien bis Altötting marschieren wollte, wenn die sowjetischen Mittelstreckenraketen abgerüstet würden. Ronald Reagan, der in Berlin verlangte, diese Mauer niederzureißen. Und am Ende ein Wunder, das Lübbering fast größer findet als die Wiedervereinigung: dass diese Raketen tatsächlich vernichtet wurden.
Doch er bleibt dort nicht stehen, und er beschönigt auch nichts. Wahrer Friede sei immer gefährdet; ihn mit Stärke durchzusetzen oft eine Notwendigkeit. Wer aber Frieden machen muss, wem eine solche Rolle in der Welt zukommt, der trifft unbequeme Entscheidungen — das räumt er ausdrücklich ein.
Dann kippt der Gedanke, und die Folge wird still. Streit, sagt Lübbering, muss von uns Menschen stets neu befeuert werden. Ohne diese Nahrung kehrt selbst nach Kampfeslärm immer wieder Stille ein. Und genauso, glaubt er, verhält es sich mit dem Frieden: Er ist kein Ergebnis, er ist ein Urzustand, nach dem wir uns sehnen. Von dort ist es nur ein Schritt zur Meditation — und zu einem Befund aus der Hirnforschung, der ihn selbst überrascht hat.
Im Gespräch mit Sebastian Labonte geht es zum Schluss ganz praktisch weiter: einfacher werden, dankbar sein, sich nicht aufputschen lassen von dem, was querkommt. Und auch darum, dass man in der Meditation manchmal zerrissen ist und nicht in die Ruhe findet. Am Ende liest Marcus M. Lübbering den vollständigen Liedtext vor — ruhig, ohne Kommentar, mit der Einladung an alle, ihn einfach wirken zu lassen.
„Krieg und Lärm ist etwas, was von uns künstlich befeuert wird. Wenn wir das zurücknehmen, die Nahrung für diese Unruhe, für den Unfrieden, dann kehrt Frieden ein." — Marcus M. Lübbering
„Das ist eben wichtig, dass wir uns Frieden nur schenken lassen können, den tiefen Frieden eben." — Marcus M. Lübbering
„Das ist dann auch Frieden nicht machen, sondern Frieden anderen schenken." — Marcus M. Lübbering
Kapitelmarken
00:00 — Begrüßung zum Wochenimpuls der Academie Kloster Eberbach
00:31 — Rückblick auf die Aufzeichnung mit Ulrich Ott: was Meditationsformen verbindet
01:44 — „Womit schickst du uns diese Woche auf die Reise?"
01:48 — Ein Lied im Gottesdienst: „Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt"
02:29 — Die Zeile, an der Marcus M. Lübbering seit Jahren hängen bleibt
02:48 — Friedensbewegung und Nachrüstungsdebatte: woher das Lied kommt
03:14 — Franz Josef Strauß, die SS-20 und der Marsch auf den Knien nach Altötting
03:39 — Reagan, Gorbatschow und das Ende des sowjetischen Imperiums
04:40 — Wie schmal der Grat ist, Frieden von oben durchzusetzen
05:24 — „Wahrer Friede ist immer gefährdet"
05:45 — Helmut Schmidt, Helmut Kohl und die Kunst realer Friedenspolitik
06:18 — Warum tiefer Friede sich nicht durchsetzen lässt
06:47 — Gerichtsprozesse: ein Friede, der ein Kompromiss bleibt
07:35 — Der Streit muss befeuert werden — sonst kehrt Stille ein
08:25 — Friede und Stille als Grundzustand des Menschen
09:27 — Wer Frieden machen muss, trifft unbequeme Entscheidungen
10:17 — „Das Geschenk des tiefen Friedens"
10:42 — Sebastian Labonte: der Bezug zur Bergpredigt
11:54 — Das Recht des Stärkeren, aktueller denn je
12:25 — Einfach werden, dankbar sein, nicht gleich zurückhauen
14:02 — Alpha-Wellen bei Embryonen — und bei Menschen, die meditieren
14:38 — Wenn man in der Meditation zerrissen ist
15:08 — Kein Teufelskreis, sondern ein Circulus virtuosus
16:11 — Der Liedtext, ruhig und in voller Länge vorgelesen
17:27 — Die Stille wirken lassen
17:34 — Das letzte Wort: Frieden nicht machen, sondern schenken
Im Gespräch erwähnt
- Academie Kloster Eberbach — Die Academie stiftet diesen Wochenimpuls; Marcus M. Lübbering erwähnt ihren „durchaus christlichen Zugang" zur Meditation.
- Marcus M. Lübbering — Gründer und Vorstandsvorsitzender der Academie; er spricht den Impuls dieser Woche.
- Ulrich Ott — Der Meditationsforscher war Gast einer der längeren Folgen; Lübbering zehrt zu Beginn noch von diesem Gespräch und kommt später auf die Gehirnwellen-Messungen zurück.
- „Selig seid ihr" (Text: Friedrich Karl Barth und Peter Horst, 1979) — Das Lied aus dem Gottesdienst, das den ganzen Impuls auslöst und am Ende vollständig vorgelesen wird.
- Peter Janssens — Von ihm stammt die Melodie des Liedes.
- Bergpredigt — Sebastian Labonte stellt den Bezug her; Lübbering nennt sie das „Friedensevangelium".
- Seligpreisungen — „Selig sind, die Frieden stiften": die Form, der das Lied nachgebaut ist.
- Friedensbewegung — Die Zeit, aus der das Lied stammt.
- NATO-Doppelbeschluss — Die „Nachrüstungsdebatte", auf die sich Lübbering mehrfach bezieht.
- Franz Josef Strauß — Er wollte nach Lübberings Erinnerung auf den Knien bis Altötting marschieren, wenn die Mittelstreckenraketen abgerüstet würden.
- Altötting — Der Wallfahrtsort, der in diesem Bild das Ziel des Marsches ist.
- SS-20 (RSD-10) — Die sowjetischen Mittelstreckenraketen, deren spätere Vernichtung Lübbering ein Wunder nennt.
- Ronald Reagan — „Ein Mann der Stärke", der in Berlin das Niederreißen der Mauer forderte.
- Michail Gorbatschow — Der Adressat dieses Satzes.
- Helmut Schmidt — Bei ihm habe die Kunst einer realen Friedenspolitik angefangen.
- Helmut Kohl — Er habe sie umgesetzt und damit eine lange Periode des Friedens ermöglicht.
- Alpha-Wellen — Jene „Grundwellen", die bei Embryonen und Kleinkindern bis zum 18. Lebensmonat und ebenso bei Meditierenden gemessen werden.
- Maranatha — Das Wort, mit dem Lübbering den vorgelesenen Liedtext beschließt.
- Kloster Eberbach — Der Ort, an dem die Academie zu Hause ist.
- Circulus virtuosus — Lübberings Gegenbegriff zum Teufelskreis: ein positiver Kreislauf aus Meditation, Gelassenheit und besseren Entscheidungen. Für den Begriff in dieser Verwendung gibt es keine belastbare Quelle, deshalb steht er hier ohne Link.
Über die Academie Kloster Eberbach
Die Academie Kloster Eberbach lädt Menschen ein, im Kloster Eberbach im Rheingau Stille, Meditation und das Gespräch über Werte zu erfahren. Sie steht auf christlichem Grund und ist offen für alle, die eine gelebte Spiritualität im Alltag suchen. Der Wochenimpuls ist ihr kürzestes Format: ein Gedanke, der durch die Woche trägt.
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00:00:00: Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zu einer weiteren und neuen Ausgabe des Wochenimpulses der Academie Kloster Eberbach,
00:00:08: gestiftet von unserem Gründer und Vorstandsvorsitzenden Marcus M. Lübbering.
00:00:14: Hallihallo, Marcus, wie geht es dir?
00:00:16: Ja, grüß Gott, lieber Sebastian, alles gut, alles stabil und wir können gleich einsteigen, glaube ich, es geht sehr gut.
00:00:28: Nichtsdestotrotz, wie war deine vergangene Woche?
00:00:30: So viel Zeit nehme ich mir.
00:00:31: Ja, die
00:00:33: vergangene Woche, also
00:00:35: wir hatten ein wunderschönen
00:00:37: Aufzeichnung. Es gibt ja
00:00:40: auch die längeren Podcasts, die wir
00:00:42: gemacht haben und ich zehre noch von
00:00:44: dem Podcast mit Ulrich Ott.
00:00:45: Ich weiß ja nicht, wann der auf Sendung geht,
00:00:48: aber das ist sicher etwas Lohnendes,
00:00:50: für die, die sich allgemein für
00:00:51: Meditation interessieren.
00:00:54: Er ist ja ein Wissenschaftler und dass
00:00:56: er immer die Bezüge, gerade auch
00:00:58: wieder zu christlichen Meditationen hergestellt
00:01:00: hat, hat mich gefreut. Es
00:01:02: waren manche Dinge da, wo ich
00:01:04: gedacht habe, naja, noch nie gehört.
00:01:05: Ich weiß nicht, wie hieß diese
00:01:07: Augenpunkt-Meditation zum
00:01:10: dritten Auge hin, wo ich denke,
00:01:11: na gut, das ist jetzt fernöstlich
00:01:14: oder Yoga, wo ich so gesehen
00:01:16: also noch keine Erfahrung
00:01:18: mitgehabt habe oder noch nichts von gehört
00:01:20: habe. War aber trotzdem interessant, weil
00:01:22: es gab viel Verbindendes in allen
00:01:24: Meditationsformen, ohne dass wir das jetzt
00:01:26: verwischen wollten. Wir haben ja den
00:01:28: durchaus christlichen Zugang
00:01:30: in der Akademie, aber wir können auch von anderen
00:01:31: viel lernen, auf jeden Fall.
00:01:33: Das war wirklich ein sehr, sehr spannendes Gespräch,
00:01:36: ja. Wir verweisen
00:01:37: einfach in den Shownotes wieder mal darauf,
00:01:40: wie auf alles andere, was jetzt noch
00:01:41: kommt und was lesenswert
00:01:44: ist. lieber Marcus, womit
00:01:46: schickst du uns denn diese Woche auf die Reise?
00:01:48: Ich habe eine
00:01:52: Erfahrung gemacht, letzte
00:01:53: Woche Sonntag im Gottesdienst
00:01:56: und wir haben da einen
00:01:57: Lied gesungen, was
00:01:59: aus den 80er Jahren
00:02:01: stammt.
00:02:02: Viele kennen es wahrscheinlich.
00:02:05: Selig seid ihr,
00:02:06: wenn ihr einfach lebt.
00:02:09: Das wurde gesungen in allen Strophen
00:02:11: und ich habe nichts
00:02:13: gegen dieses Lied einzuwenden,
00:02:15: sondern es ging um das
00:02:17: einfache Leben. Selig ist
00:02:19: man, wenn man lieben lernt,
00:02:21: wenn man Lasten trägt,
00:02:23: Güte wagt, Unrecht spürt
00:02:25: oder auch ehrlich bleibt.
00:02:27: Viele kennen das Lied, glaube ich.
00:02:29: An einer Zeile bin ich dann hängen geblieben beim Singen.
00:02:35: Und da bin ich immer wieder über die Jahre hängen geblieben dran.
00:02:40: Das heißt, selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
00:02:43: Und ja, es ist natürlich erklärbar aus der Zeit,
00:02:47: als das Lied entstanden ist.
00:02:48: Es war die Zeit der Friedensbewegung.
00:02:50: Es war die Zeit der Nachrüstungsdebatte.
00:02:52: Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre.
00:02:55: Und es ist natürlich die Frage, wie man Frieden macht.
00:03:01: Es gibt sicherlich Frieden, den nur der Stärkere schafft.
00:03:07: Das hat auch mal jemand Kluges gesagt.
00:03:09: Und dann muss der Starke natürlich bereit sein, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen.
00:03:14: Wir wissen, dass damals in der Nachrüstungsdebatte auch ein Franz Josef Strauß gesagt hat,
00:03:20: Also der würde auf den Knien bis Altötting marschieren, wenn diese SS-20-Raketen, also die Mittelstreckenraketen, die Ostdeutschland jeden Tag stationiert wurden von den Sowjets, wenn die abgerüstet würden.
00:03:39: Und dann kam Ronald Reagan, wenn man so sagt, ein Mann der Stärke, der ja auch gesagt hat, Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder in Berlin. Und er hat dann die Nachrüstungsdebatte durchgezogen aus einem Argument der Stärke und der wirtschaftlichen Stärke des Westens damals noch.
00:03:59: Und dann sind die Sowjets eingeknickt und wir kennen all die Folgen, dass das ganze sowjetische Imperium zerfallen ist und die Mauer fiel und auch Deutschland wiedervereinigt wurde.
00:04:09: Und diese Raketen alle, das ist fast noch ein größeres Wunder als die Wiedervereinigung, dass diese Raketen alle disloziert worden sind in Russland und vernichtet worden sind dort.
00:04:24: Welchen langfristigen Effekt das hat, kann man vielleicht wieder debattieren, weil wir heute wieder ähnliche Gefahren haben. Aber in der damaligen Zeit war es jedenfalls ein Starker, der gesagt hat, gewisse Sachen lassen wir nicht zu und uns Frieden und Freiheit bewahrt hat.
00:04:40: Aber wir wissen eben auch nicht, das muss man ganz klar sagen, wir wissen, wie schmal der Grat ist auf diesem Weg und gerade im gesellschaftlichen, politischen Bereich dieser Welt ist es eben nicht einfach, Frieden einfach so durchzusetzen von oben mit Gewalt in Anführungszeichen oder mit einem Gewaltmonopol eines Hegemons in der Welt.
00:05:00: Das ist ja heute Legion, da brauchen wir gar nicht weit zu gehen.
00:05:05: Und es ist schlimm und erst recht schlimm, wenn der Starke natürlich überhaupt kein Interesse daran hat und sich auch selbst nicht an Recht und Gesetz hält.
00:05:13: Also da gibt es ja genügend Beispiele östlich von uns und auch im Süden, wo das viele Öl zum Teil herkommt.
00:05:21: Das will ich jetzt gar nicht vertiefen.
00:05:24: Aber wir müssen einfach sagen, wahrer Friede ist immer gefährdet.
00:05:29: Ihn mit Stärke durchzusetzen und erhalten zu wollen, ist oft eine Notwendigkeit.
00:05:34: Wenn wir Glück haben, geht es gut.
00:05:36: Und auf jeden Fall müssen wir wohl bereit sein, in unserem Land Freiheit zu verteidigen.
00:05:40: Sonst wird uns vielleicht allzu leicht ein falscher Friede aufgezwungen.
00:05:45: Und das zu verhindern, das habe ich immer als die Kunst einer realen Friedenspolitik verstanden,
00:05:51: die damals bei Helmut Schmidt schon angefangen hat, von Helmut Kohl umgesetzt wurde in unserem Land
00:05:57: und wie gesagt zwischenzeitlich zu einer langen Periode des Friedens geführt hat,
00:06:01: die durchaus auf Stärke gesetzt hat, um auf den Einsatz von staatlicher Gewalt und vor allem von Waffen verzichten zu können.
00:06:09: Das ist lange gelungen und wir können nur beten, dass das wieder gelingt jetzt in dieser Zeit.
00:06:18: Aber wahrer, innerer und tiefer Friede, das ist das Entscheidende.
00:06:23: Das scheint mir kaum in dem Sinne machbar, dass man das eben durchsetzt,
00:06:29: jedenfalls solange es unterschiedliche Ansichten und Interessen der Menschen und Völker gibt.
00:06:34: Konflikte können friedlich gelöst werden, können diplomatisch gelöst werden,
00:06:40: wenn alle diese Einstellung haben, aber können dann auch die Menschen mit diesen Lösungen leben.
00:06:47: Wir kennen das ja auch von Gerichtsprozessen, die ja auch den Frieden herstellen wollen oder sollen in unserer Gesellschaft.
00:06:56: Und dann gibt es eben doch Menschen, die damit nicht zufrieden sind.
00:07:00: Ihren Frieden, der ja nicht absolut ist von weltlichen Gerichten und absolut gesprochen werden kann, sondern es ist ein Kompromiss.
00:07:08: Und viele Menschen können mit den Lösungen nicht leben.
00:07:12: Und trotzdem ist der Friede ein Urzustand, dass wir mit einer Situation leben können, zufrieden sein können, nachdem wir uns immer wieder sehnen.
00:07:23: Es gibt diesen Teufelskreis der Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, der immer schlimmer werden kann.
00:07:35: Aber das ist mir dann eben aufgefallen beim Nachdenken über dieses Lied.
00:07:39: Dazu muss dieser Streit von uns Menschen stets neu befeuert werden.
00:07:43: Ohne diese Nahrung, dass wir diesem Feuer Öl eingießen oder was auch immer, kehrt selbst nach Kampfeslärm immer wieder Stille ein.
00:07:53: Und beim Lärm ist es generell so, er vergeht auch, wenn er nicht genährt wird.
00:08:00: Also Krieg und Lärm ist etwas, was von uns künstlich befeuert wird.
00:08:07: Wenn wir das zurücknehmen, die Nahrung für diese Unruhe, für den Unfrieden, dann kehrt Frieden ein.
00:08:16: Und genauso ist es mit der Stille.
00:08:17: Und das hat mich natürlich nachdenken lassen über Meditation, Stille und auch die Wirkung auf den Frieden.
00:08:25: Und so gesehen sind, wenn wir Frieden und Stille von ihrer Natur her etwas nehmen,
00:08:31: was uns inne ist eigentlich und dass sie Hand in Hand gehen und ähnlich sind von ihrer Natur her,
00:08:40: dass es einfach ein Grundzustand des Menschen ist,
00:08:43: dann trägt auch die Stille, die wir halten bei der Meditation, zum Frieden bei.
00:08:48: Es ist ein Friede, der eben nicht erzwungen ist, nicht durch den Stärkeren gewährleistet wird,
00:08:55: sondern ein Friede, der uns mit unserem tiefen und wahren Selbst verbindet,
00:09:00: letztlich mit unserer menschlichen Natur.
00:09:03: Das scheint doch so zu sein, denn wenn wir nicht in einer Form angestachelt werden,
00:09:09: wird sich dieser Friede und wird sich die Stille einstellen.
00:09:13: Und diese Erfahrung lässt auch die Einheit und den Frieden mit anderen wachsen, ohne Machen.
00:09:20: Das ist eben wichtig, dass wir uns Frieden nur schenken lassen können,
00:09:26: den tiefen Frieden eben.
00:09:27: Und wer dann Frieden machen will und machen muss
00:09:32: und wem eine solche Rolle in der Welt zukommt oder in der Gesellschaft,
00:09:36: der muss auch sicher unbequeme Entscheidungen treffen.
00:09:40: Das muss man einräumen.
00:09:41: Er sollte dabei aber nie vergessen, innerer Friede, wahrer Friede,
00:09:47: Friede, der nicht gestützt werden muss
00:09:51: durch irgendwelche Kompromisse und Lösungen
00:09:53: oder vielleicht sogar die Waffen des Stärkeren,
00:09:57: der stellt sich wie die Stille dann ein,
00:10:00: wenn wir den Lärm unseres Tuns und unsere Absichten zurücklassen.
00:10:04: Das ist ganz wichtig, dass wir selbstlos in diesen Frieden
00:10:09: oder in diese Stille hineingehen,
00:10:11: dass wir loslassen unsere Absichten
00:10:13: und alles, was wir an eigenen Interessen haben.
00:10:17: Das Geschenk des tiefen Friedens wird dann möglich, wenn wir die Stille machen lassen, um das mal so zu sagen.
00:10:24: Und dazu wollen wir wieder die Menschen ermutigen, denke ich auch in dieser Woche,
00:10:28: dass sie in diesen Urzustand der Stille und des Friedens hineingehen und können nur sagen,
00:10:35: es ist etwas ganz Natürliches in die Stille zu bringen und der Friede wird die Konsequenz davon sein.
00:10:42: Ein wunderschöner Text wieder mal.
00:10:44: Ich habe mich gefreut, als ich davon gelesen habe,
00:10:48: dass das heute unser Text sein wird.
00:10:52: Denn soweit ich es noch in Erinnerung habe,
00:10:54: du bist bibelfester als ich,
00:10:56: ist es ein Text, der sich auch auf die Bergpredigt bezieht.
00:10:59: Ja, natürlich.
00:11:02: Selig sind, die Frieden stiften, denn ihrer ist das Himmelreich.
00:11:05: Das ist eine der ersten Aussagen dieser Bergpredigt,
00:11:10: was ja immer als Friedensevangelium genommen wird.
00:11:15: Und das ist sicherlich auch richtig.
00:11:16: Also es ist eine ganz zentrale Botschaft,
00:11:19: eine ganz zentrale christliche Botschaft auch,
00:11:22: dass das Frieden stiften etwas ist, was uns selig macht,
00:11:27: was die, wird ja auch so besungen in diesem Lied,
00:11:30: was uns dahin führt, dass wir letztlich zu uns selbst kommen am Ende.
00:11:39: Jetzt hast du es gerade in dem Text schon angesprochen. Das verliert ja auch leider tragischerweise nicht an Aktualität. Wenn man von der Bergpredigt zurückdenkt, du hast jetzt gerade zitiert über die 70er und bis zum heutigen Tage, das ist aktueller denn je.
00:11:54: Auch das Recht des Stärkeren, das kriegen wir jeden Tag.
00:11:58: Ich glaube, zu meinen Lebzeiten wurde es selten besser demonstriert als heutzutage.
00:12:02: Was können wir denn explizit vielleicht aus dieser Stelle und aus dieser Textpassage der Bibel,
00:12:08: konkret der Bergpredigt noch für Schlüsse ziehen, die man aufs heutige Leben übertragen kann?
00:12:13: Ich weiß, du hast das schon sehr gut erklärt und schon in die Tiefe gehend.
00:12:18: Aber fällt dir da vielleicht noch irgendwas ein, was man sehr konkret mit ins Leben und in die kommende Woche mitnehmen kann?
00:12:25: Vielleicht, dass wir einfach werden müssen.
00:12:31: Wenn ihr einfach lebt, ist ja auch so eine Zeile in dem Lied.
00:12:36: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
00:12:37: Dass wir uns beschenken lassen müssen durch Dinge, die da sind, dass wir dafür dankbar sind.
00:12:44: Und dass wir tatsächlich unsere eigenen Interessen schon vertreten müssen mit Klarheit, aber manchmal geht es nicht. Und dass wir deswegen vielleicht nicht gleich Kämpfe anfangen müssen oder mit Neid behaftet andere sehen müssen oder dass wir sie vielleicht sogar hassen müssen.
00:13:05: Ich glaube, das ist nicht unsere Absicht und da schreckt auch an sich jeder davor zurück. Nur wenn wir gereizt werden, dann hauen wir schon mal zurück. Und dann eskaliert es genauso, wie die großen Konflikte zwischen Völkern eskalieren können. So kann es auch zwischen Menschen eskalieren.
00:13:22: Und die Einfachheit, dankbar zu sein mit dem, was ist, dass wir zufrieden sind, dass wir einfach auch mal in uns gehen und merken uns der Atem, den wir bewusst wahrnehmen, auch darüber hatten wir ja mit Ott gesprochen, dass wir das auch schon als Geschenk annehmen, das Leben, die Menschen, mit denen wir zusammen sind, die uns schon mal auf die Nerven gehen können, aber dass wir an ihnen dann auch das Gute sehen.
00:13:51: Auch in uns selber. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Das ist einfach. Und ich habe ja eben versucht zu sagen, dieser einfache Friede ist etwas dem Menschen gemäßes.
00:14:02: Vielleicht darf ich das noch sagen. Wir haben das ja auch in den Messungen dieser Gehirnwellen bei Menschen, bei Embryonen und bei Kleinkindern bis zum 18. Lebensmonat sind dort diese Alpha-Wellen spürbar, diese Grundwellen.
00:14:20: die haben wir ja interessanterweise auch in der Meditation gemessen,
00:14:24: beziehungsweise die Neurowissenschaftler messen die auch bei Menschen, die meditieren
00:14:29: und kommen damit in diesen natürlichen, friedlichen Urzustand.
00:14:34: Und das ist einfach schön zu wissen.
00:14:36: Wir werden das nicht immer erreichen.
00:14:38: Das ist vielleicht noch ein Punkt, den wir auch noch sagen sollten.
00:14:41: Wir sind manchmal auch in der Meditation zerrissen.
00:14:44: Wir kommen nicht in die Ruhe, aber wir sollten es immer wieder versuchen.
00:14:47: Und wir werden dadurch unser Leben ändern.
00:14:50: dass wir dann vielleicht uns nicht immer aufputschen lassen
00:14:54: von irgendwelchen Dingen, die uns querkommen.
00:14:56: Und dann kommen wir auch in der Zeit der Meditation
00:14:59: wieder leichter in die Stille und in das uns selber wahrnehmen
00:15:04: und in unseren eigenen Frieden.
00:15:06: Und das wird wieder Auswirkungen haben auf unser Leben.
00:15:08: Also insofern ist es kein Teufelskreis,
00:15:11: sondern ein Circulus virtuosus, ein positiver Kreislauf.
00:15:14: Wir kommen ja immer wieder an Stellen im Leben.
00:15:18: Also das Leben ist ja keine Gerade von A nach B, sondern es läuft eher in Zyklen ab.
00:15:24: Und wenn wir dann merken, wir sind an einer Gabelung, die kennen wir schon, können wir vielleicht beim zweiten Mal anders und besser entscheiden als beim ersten Mal.
00:15:32: Es ist ein langsames, ständiges Dazulernen und die Meditation hilft uns dabei, das zu erkennen, wo wir besser auch entscheiden können.
00:15:41: Nicht in der Meditation, aber als Folge der Meditation.
00:15:45: Man könnte meinen, du hättest dir Gedanken gemacht über den Text dieser Woche.
00:15:49: Wunderbar, vielen Dank.
00:15:51: Ja, ja, ich habe mir schon lange, immer wieder, wenn es in den Gottesdiensten gesungen wird,
00:15:56: Gedanken gemacht, was heißt Frieden machen.
00:16:00: Also Fazit nochmal, wir müssen die Stille machen lassen
00:16:04: und dann wird vieles sich ergeben in die Richtung, in die wir gehen wollen hinsichtlich des Friedens.
00:16:11: Es ist etwas spontan, aber wenn du nichts dagegen hast, würde ich die 20 Zeilen gerade mal ruhig und gediegen vorlesen
00:16:18: und vielleicht laden wir dann gerade unsere Hörer mal ein, die drei, vier Minuten, länger wird es nicht dauern,
00:16:23: einfach mal zuzuhören und es wirken zu lassen.
00:16:25: Gerne.
00:16:27: Selig seid ihr. Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
00:16:32: Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
00:16:35: Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
00:16:39: Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt. Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr,
00:16:47: wenn ihr ehrlich bleibt. Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht. Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht
00:16:55: spürt. Selig seid ihr, wenn ihr Wunden heilt, Trauer und Trost miteinander teilt. Selig seid
00:17:04: ihr, wenn ihr Krüge füllt, Hunger und Durst füreinander stillt. Selig seid ihr, wenn ihr
00:17:11: Fesseln sprengt, arglos und gut voneinander denkt. Selig seid ihr, wenn ihr Schuld verzeiht,
00:17:18: Stütze und Halt einander seid. Maranatha. Wir lassen die Stille noch ein bisschen wirken,
00:17:27: aber wir sind noch nicht ganz zum Schluss, denn ich habe nicht das letzte Wort, mein lieber Marcus,
00:17:31: sondern das gehört wie immer dir.
00:17:34: Ich danke für den Text nochmal.
00:17:37: Wir sehen, welche großen Aufgaben für uns oder auf uns warten.
00:17:43: Und ich kann nur jedem wünschen,
00:17:45: dass wenn er eine dieser Aufgaben ein bisschen angeht,
00:17:50: ein bisschen realisieren hilft für sich, für seine Mitmenschen,
00:17:55: dann kommen wir ein Stück weiter zum Frieden.
00:17:58: Das ist dann auch Frieden nicht machen, sondern Frieden anderen schenken.
00:18:02: Also ich wünsche viel Glück und Freude dabei und bin überzeugt, dass wir sehr viel Frieden schaffen können auf diese Weise.
00:18:12: Vielen Dank, bis nächste Woche.
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